sabato 12 dicembre 2009

Neofaschisten in Bozen- Bilanz

[akt. am 14.12.] Während es zu laufenden Festnahmen (und dementsprechender medialer Aufmerksamkeit) in der Südtiroler Neonaziszene kommt, breitet sich über die rechte Szene in Bozen ein Mantel des Schweigens. Zu unrecht: Neben den beiden Bars "Otto" und "LaDestra" haben sich mit dem Verein "CasaPound Bolzano" und der Bücherei "CasaItalia" nun zwei weitere neofaschistische Institutionen gefestigt.

Des weiteren etabliert sich die in Bozen produzierte Kleidermarke "Revolt Italy", immer mehr zu einer Trendmarke in der italienischen Neonaziszene in Südtirol. Die Marke weist bei anfänglichen Betrachten keine besonderen Bezugspunkte zum Rechtsradikalismus auf. Sie bezieht sich auf die "Working Class" Kids der 70er und 80er Jahre in England , so im Beschreibungstext auf der Homepage. Gemeint ist mit großer Wahrscheinlichkeit die florierende Skinheadszene in dieser Zeit. Die Marke selbst repräsentiert laut ihnen, ihren eigenen Lebensstil. Folgendes Video von youtube zeigt einige bekannte Gesichter der Südtiroler Szene, auch einige Kommentare darunter sind zu beachten.
Video

(Link: http://www.revoltitaly.com/ ).


Auch die rechte Musikszene in Bozen wächst. Die "National Socialist HardCore" Band "No Prisoner" ist neben der sog. "Punk" Band "Lamones" - eine weitere Band mit rechtsradikalen Tendenzen um Bar-Otto-Chef Bonazza. "No prisoner" treten mit bekannten Rechtsrock Bands wie Civico88, Hate for breakfast usw. auf. Interessant auch, die Freundschaftsverknüpfungen der Bands auf Myspace quer durch die Neofaschistischen Misthaufen. http://www.myspace.com/noprisonerhc


Beunruhigend sind diese Entwicklungen gerade desshalb, da die "neuen Faschisten" sehr viel auf subkulturelle Aspekte zurückgreifen. Musik und Kleidungstil von Punks, Skins, Rockabillys, Metallern usw. ist schnell kopiert und missbraucht, politisiert. Auch finden solche Konzerte in der Bar8 statt. Von außen gesehen, eher harmlos. doch Besonders jüngere Jugendliche werden sou schnell für die rechte Szene geködert und gewonnen. Alles verschleiert hinter einem subkulturellen Deckmantel wird hier oft die Gefahr unterschätzt, die von diesen Personen ausgeht.

Warum hier von den Behörden nichts unternommen wird, und bei den deutschen Nazis schon, ist unverständlich. Angesichts der großen Anzahl an UnterstützerInnen und SymphatisantInnen der rechtsextremen Bewegung, die sich um die "Bar 8" und Andrea Bonazza gebildet hat, muss dies mehr als bedenklich stimmen. Zu Recht nennen sie sich "Faschisten des 3. Jahrtausends", präsentieren sie doch alte Ideen in gänzlich neuen Schläuchen. An der barbarischen Kernsubstanz dieses Denkens ändert dies freilich nichts.
Ein Blick auf die Facebook-Seite von Bonazza, der sich dort unter "barotto andrea" registriert hat, lässt aufhorchen: 1.700 FreudInnen weist sein Profil auf. Freilich spiegelt dies nicht die Realität wider, doch kann es mit gutem Gewissen als Indikator für die Beliebtheit dieser Bewegung herangezogen werden. Und es ist auch so manch einer darunter, den eins nicht dort vermutet hätte - wie Davide Orfino, eigentlich Exponent des PdL in Sterzing.
Dass gegen faschistische Ideen bloßes Moralisieren und Mit-dem-Finger-Zeigen wenig nützt, ist auch klar. Weder ein Strache noch ein Graf lassen sich bekämpfen, indem wieder und wieder ihre neonazistischen Verstrickungen aufgezeigt werden und "Nazi, Nazi" gerufen wird. Dementsprechend ist nach den strukturellen Bedingungen zu fragen, welche die Anziehungskraft dieses Gedankenguts nähren. Bei denen, die an den Hebeln der Macht sitzen, wäre es schon ein guter Anfang, wenn sie endlich die Augen aufmachen würden.

martedì 24 novembre 2009

Hast du auch eine lustige, kreative oder interessante Idee ein politisch aktuelles Thema grafisch darzustellen? Dann her damit! Die Arbeiten werden auf dem Blog veröffentlicht.
Bilder an: antifa-meran@hotmail.com

mercoledì 18 novembre 2009

International - Antifa-Aktivist in Moskau ermordet

Moskau. Der bekannte Moskauer Antifaschist Iwan Chutorskoi ist Montagabend im Eingang seines Hauses tot aufgefunden worden. Er wurde mit zwei Schüssen in den Nacken ermordet. Spuren führen in die Neonazi-Szene.


Vor dem Mord vor ein paar Tagen waren bereits drei Mordversuche an Iwan verübt worden. 2005 wurde Iwan von Nazis überfallen, die ihm seinen Kopf zerschnitten. Ein weiteres Mal überlebte er nur durch ein Wunder, als ihm Nazis im Hauseingang auflauerten und mit einem Schraubenzieher zahlreiche schwere Verwundungen im Halsbereich zufügten. Im Januar dieses Jahres überlebte er wiederum nur knapp einen Messerstich in den Bauch, den er bei einem Straßenkampf mit Nazis erhielt.
Iwan war in der Antifa Szene trotz den Mordversuchen
noch aktiv und organisierte zahlreiche Veranstaltungen und unter anderem auch Selbstverteidigungskurse.

In Moskau ist dies bereits der sechste Mord an Antifaschisten durch militante Rechtsextreme. Im April 2006 starb der 19-jährige Alexandr Rjuchin an Messerstichen, im März 2008 wurde bei einem Messerangriff Alexej Krylow getötet, im Oktober 2008 wurde Fedor Filatow, ein Anführer antifaschistischer Skinheads, neben seinem Hauseingang ermordet und am 28. Juni 2009 starb der Antifaschist Ilja Dshaparidse bei einem Überfall der Rechtsextremisten.

Die Lage in Russland ist ziemlich besorgniserregend. Immer wieder werden Menschen die nicht in das Weltbild der Nazis passen, zusammengeschlagen, verfolgt und getötet.

giovedì 12 novembre 2009

Schlag gegen NHJ - Naturnser Hitler Jugend

Die Polizei hat gestern Vormittag im Raum Naturns eine Aktion gegen Rechtsextremismus, der sogenannten Neue Hitlerjugend, durchgeführt. Der 19-jährige Dominik Fabian Defatsch aus Naturns wurde dabei verhaftet und weitere 16 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 26 Jahren wurden angezeigt. Neun Personen davon sind noch minderjährig:

Die 17 Neonazis:
Dominik Fabian Defatsch, 19, Naturns - ihm wird vorgeworfen der Kopf der Bande zu sein.
P. B., 22, Naturns
Daniel Kainz, 19, Naturns
Andreas Platzgummer, 21, Naturns
Patrick Kofler, 26, Plaus

Patrick Mitterhofer, 22, Naturns
Andreas Ratschiller, 18, Plaus
David Lechner, 18, Partschins
M. H., 16, Naturns
A. H., 16, Naturns
D. S., 17, Naturns
M. B., 15, Naturns
F. H., 15, Naturns
M. W., 16, Naturns
P. L., 17, Naturns
S. K. 17, Plaus

Insgesamt waren 60 Polizisten bei Hausdurchsuchungen im Einsatz. Dabei wurden mehrere Computer und Handys mit angeblich nazistischem Material sichergestellt. U.a. fanden die Ermittler weitere Mitgliedsausweise mit der Aufschrift „88 HJN 88“. 88 steht für Heil Hitler, HJN für Hitlerjugend Naturns. Auf einen solchen Ausweis war die Digos bereits im Oktober 2008 bei einer Routinekontrolle in Naturns gestoßen. Der Beginn der Ermittlungen, die Querverbindungen zur „Operation Odessa“ gegen weitere Burggräfler jugendliche Neonnazis aufweist.


HIER geht es zum ausführlichen stol Artikel, mit Video.

HIER ein Bericht der Antifa Meran über die Gewaltbereitschaft der NHJ vom Mai 2008.

HIER ein Artikel über die NHJ vom Juli 2009.

HIER ein Bericht der Südtiroler Tageszeitung vom September über die Naturnser Nazis.


quellen: http://www.suedtirolnews.it/d/artikel/2009/11/11/neue-hitlerjugend-eine-verhaftung-und-16-personen-angezeigt.html
http://www.stol.it/Artikel/Chronik/Lokal/Naturnser-Hitlerjugend-19-Jaehriger-verhaftet

lunedì 9 novembre 2009

Die Welt als ewige Weltverschwörung

Ein kurzer Exkurs über die Genese und zunehmende Popularität von Verschwörungstheorien in Krisenzeiten.

Seit Herausbildung der Herrschaft des Menschen über den Menschen gibt es Verschwörungen. Sie bilden eine der ältesten Techniken zur Eroberung und Aufrechterhaltung von Macht. Schon die ersten Herrscher von Stadtstaaten im Zweistromland etwa ursupierten oftmals den Thron vermittels einer Verschwörung – und sie lebten in permanenter Angst vor einer gegen sie gerichteten Verschwörung. Folglich spekulierten seit Anbeginn der Herrschaft die Beherrschten über die Ränkespiele am Hofe, über die Absichten der jeweils herrschenden Kaste. Mensch kann somit sagen, dass diese Spekulation der Untertanen über die Machenschaften am hermetisch abgeschlossenen Hofe, über die Ziele, Strategien und „Verschwörungen“ der Herrschenden so alt ist wie die Herausbildung der städtischen Zivilisation selbst.

Selbstverständlich werden auch in der jüngsten Geschichte - sicher auch in der Gegenwart - Verschwörungen ausgeheckt. Als Beispiel käme etwa der Putsch gegen Salvador Allende 1972 in Frage oder die Verschwörung des 20. Juli 1944, als Wehrmachtoffiziere versuchten, Hitler durch einen Bombenanschlag zu eliminieren. Selbst die Vorarbeiten zur Durchsetzung der HartzIV-Reformen in Deutschland, oder auch die mit Lügengeschichten forcierte Mobilisierung für den Irak-Krieg nahmen bei bestimmten Machtgruppen und Zirkeln der US-Administration einen verschwörungsartigen Charakter an. Auch heutzutage bemühen sich Menschen, den Machenschaften der Herrschenden auf die Schliche zu kommen. So könnte man etwa die Journalisten, die den Watertgate-Skandal aufdeckten, als Verschwörungstheoretiker bezeichnen, da sie ja im Rahmen ihrer Recherchen tatsächlich eine Theorie dieser Verschwörung aufstellen mussten, um sich an Hand der von ihnen ermittelten Indizien der Wahrheit anzunähern.
Mit dieser beim Mainstream-Journalismus längst in Vergessenheit geratenen Aufklärungsarbeit hat aber die rastlose, manische und pathologische Suche nach Verschwörungen, die heutzutage üblicherweise mit dem Begriff des Verschwörungstheoretikers assoziiert wird, nicht viel gemein. Diese Menschen leisten keinerlei Theoriebildung, sie befinden sich im Bann einer Ideologie. Um hier die nötige begriffliche Trennschärfe einzubringen, sollen diejenigen Personen und Gruppen, die von der unaufhörlichen Suche nach Verschwörern und Verschwörungen besessen sind, fortan als Verschwörungsideologen bezeichnet werden. Der Verschwörungsideologe bemüht sich, hinter allen möglichen gesellschaftlichen Missständen oder auch nur Phänomenen und Entwicklungen (Irak-Krieg, Weltwirtschaftskrise, Schweinegrippeimpfung, 9/11, Jörg Haiders Unfalltod etc.) das Wirken einer Verschwörergruppe aufzudecken; für ihn ist die Welt eine einzige Weltverschwörung. Negative Auswirkungen kapitalistischer Vergesellschaftung – wie Elend oder Krieg - werden auf das böse Treiben einer verschworenen Gruppe böser Menschen zurückgeführt.

Ursprünge des Verschwörungsglaubens

Ihre Ursprünge haben Verschwörungsideologien also mitnichten in dem gesunden Misstrauen, dass beispielsweise der mittelalterlicher Bauer seinem Feudalherrn oder dem Pfaffen entgegen brachte. Der Glaube an das gesellschaftliche Wirken einer allmächtigen Verschwörergruppe bildete sich erst im Zeitalter der Aufklärung, im 18. Jahrhundert, heraus. Noch heutzutage sind die Verschwörungsideologen davon überzeugt, mit ihrem Wirken der „Aufklärung“ Vorschub zu leisten. Ironischerweise haben die auch als „Truher“ bezeichneten Gruppen und Zusammenhänge damit sogar ein Körnchen Wahrheit erfasst, denn der Verschwörungsglaube bildet tatsächlich einen Teil der „dunklen Seite“ des historischen Prozesses der Aufklärung. Zentral in dieser Hinsicht ist die im 17. und 18. Jahrhundert Epoche machende Entdeckung, dass nicht Gott, sondern „die Menschen“ ihre Geschichte machen.
„Seit je hat Aufklärung im umfassendsten Sinn fortschreitenden Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. … Das Programm der Aufklärung war die Entzauberung der Welt. Sie wollte die Mythen auflösen und Einbildung durch Wissen stürzen.“ So fassten Adorno und Horkheimer in den ersten Sätzen ihrer Dialektik der Aufklärung den Prozess der Aufklärung zusammen. Der Mensch tritt an die Stelle Gottes als Herr seiner Geschichte, seines Lebens, seiner Gesellschaft. Der menschliche Wille tritt an die Stelle der „göttlichen Mächte“, die zuvor als Triebfedern gesellschaftlicher Veränderung und natürlicher Ereignisse Angesehen wurden.
Sobald Gott nicht mehr als die allumfassende Deutungs- und Rechtfertigungsinstanz der Gesellschaft firmiert, verliert auch die religiöse Konnotation beim Verschwörungswahn ihre Bedeutung – dieser unterliegt einem Prozess der Säkularisierung. Die der Verschwörung bezichtigten Menschen sind nicht mehr mit Satan oder Dämonen im Bunde, um eine gottgewollte Ordnung zu erschüttern, sondern mit sich selbst. Hier, im Hexen- und Dämonenwahn, haben die Verschwörungsideologien ihre eigentlichen historischen Wurzeln: Ob es das Wüten der Inquisition in Spanien oder die Hexenverbrennungen der frühen Neuzeit waren, auch hier wurden stets negative Erscheinungen mit den Wirken bestimmter Menschengruppen in Zusammenhang gebracht. Der große Unterschied zur heutigen Zeit war nur, dass diese Menschen angeblich mit jenseitigen Kräften - dem Teufel oder bösen Geistern – im Bunde zu stehen schienen, oder als deren Agenten fungierten.
Die Aufklärung bringt somit auch den Modernen Verschwörungsglauben zur Ausformung. Tatsächlich waren die ersten Objekte einer Verschwörungstheorie erklärte Aufklärungsfeinde. Im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert war insbesondere im angelsächsischen Raum und unter französischen Aufklärern die Vorstellung einer allgegenwärtigen jesuitischen Verschwörung weit verbreitet. Eine ihrem Wahnbild adäquate, recht amüsante literarische Ausgestaltung fand diese erste aller Weltverschwörungfantasien beispielsweise in dem Roman „Mason and Dixon“ des amerikanischen Schriftstellers Thomas Pynchon.
Da aber im Verlauf des Aufklärungsprozesses die gesamte Welt „entzaubert“ wird, tritt nicht nur der menschliche Wille an die Stelle des Wirkens göttlicher oder dämonischer Kräfte; auch das Verständnis der Gesellschaft unterliegt einem Prozess der Säkularisierung. Das Bürgertum als Träger des Aufklärungsprozesses propagiert die Errichtung einer Gesellschaftsformation, die gemäß einer „naturgemäßen Ordnung“ eingerichtet ist. Der sich in der frühen Neuzeit ausprägende Kapitalismus wird von der Aufklärung als eine natürliche, dem menschlichen Wesen adäquate Gesellschaft aufgefasst. Die Aufklärung fungierte ja innerhalb des Konkreten historischen Emanzipationsprozesses des Bürgertums auch als ideologische Waffe im Kampf gegen die Privilegien des Adels.
Ein Naturrecht, die daraus abgeleiteten, „natürlichen“, unteilbaren Menschenrechte, die Gleichheit vor dem Gesetz und die Vertragsfreiheit ließen die auf Adelsprivilegien fußende spätfeudale Gesellschaftsformation als „widernatürlich“ erscheinen. Die vernünftige Einrichtung der Gesellschaft ist laut dem bürgerlichen Aufklärungsbegriff immer die naturgemäße Einrichtung der Gesellschaft. Ein konkreter historischer Entwicklungsabschnitt menschlicher Geschichte – der Kapitalismus – wird von der bürgerlichen Aufklärung im Rahmen eines konkreten historischen Klassenkampfes zu einer naturgemäßen Voraussetzung menschlicher Existenz schlechthin erklärt.

Laut der bürgerlichen Aufklärung gibt es folglich nur noch den menschlichen Willen und die „natürliche Ordnung“ als Festen Bezugsrahmen zu Deutung gesellschaftlicher Phänomene. Nur noch der Wille des Menschen und Naturkräfte scheinen an der Ausformung unserer Welt beteiligt zu sein. Somit wäre die Welt von jeglichem Aberglauben befreit. „Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils,“ um den letzten Satz aus dem ersten Absatz der Dialektik der Aufklärung zitieren. Unsere „natürlich“ und folglich „vernunftsgemäß“ eingerichtete Welt ist trotzdem voller Widersprüche: voller Krieg, Tod, Elend und Hunger. Da übernatürliche Instanzen als Verursacher dieser ungeheuren Verwerfungen nicht mehr in Betracht kommen, kann der Verschwörungsideologe nur noch nach einer Gruppe von Menschen suchen, deren böser Wille für die Störung unserer „naturgemäß“ und „vernünftig“ eingerichteten Welt verantwortlich sein soll.
Die Verschwörungsideologen wollen seit der Neuzeit, durchaus zu Recht, hinter die Institutionen und gesellschaftlichen Phänomene blicken, die sie nicht verstehen. Sie hintertreiben diesen ersten Impuls aber dadurch, dass sie dieses „Dahinter“ doch nur wieder in konkreten Personen, „Strippenziehern“ und mächtigen Gruppen vorstellen können, die sie aus der Welt der gegebenen Institutionen bereits kennen. Die Verschwörungsideologen wollen eine „Politik hinter der Politik“ demaskieren, die von verschworenen Zirkeln betrieben werden soll. Folglich waren es zumeist Mitglieder von Geheimgesellschaften – wie der Freumaurer und vor allem der bereits 1785 zerschlagenen, radikaldemokratischen Illuminati - die dieses Wahnbild einer Schicht von tatsächlich Herrschenden „hinter“ den Herrschern ausfüllten. Schon 1798 stellten reaktionäre Kreise beispielsweise die These auf, dass die Illuminati entscheidend an der Organisation und Durchführung der französischen Revolution beteiligt waren.
Aus den bisherigen Ausführungen müsse ersichtlich geworden seien, dass die Verschwörungstheorie sich zwangsläufig aus dem bürgerlichen Verständnis von Aufklärung herausbildet. Unsere Verschwörungsideologen haben also durchaus in gewisser Weise recht, wenn sie behaupten, mit ihren paranoiden Wahnvorstellungen „Aufklärung“ zu betreiben – der Verschwörungsglaube, der dem Aufklärungsprozess einem dunklen Schatten gleich folgt, entspringt dem verkürzten bürgerlichen Aufklärungsbegriff, der ja die bürgerliche Gesellschaftsformation in den Rang eines Nautrphänomens erhebt.
Der erste Schritt zur Überwindung des Verschwörungsdenkens besteht folglich darin, unsere Gesellschaftsformation nicht mehr als ein natürliches Phänomen anzusehen. Nur wenn der Kapitalismus nicht mehr als stumme Voraussetzung unserer Existenz und jedweder Denkbewegung fungiert, nur wenn unsere Gesellschaft als historisch, veränderbar und überwindbar aufgefasst wird, kann die Verschwörung als bloßes Oberflächenphänomen einer unser Leben bestimmenden, widersprüchlichen Dynamik der Kapitalakkumulation begriffen werden.
Wie sieht diese angeblich so „natürliche“ Ordnung aus, in der wir zu leben genötigt sind und deren Grundstruktur so gut wie niemals Gegenstand – aber immer Grundvoraussetzung - öffentlicher Diskussion ist?

Vermittlungsebenen Kapitalistischer Herrschaft

Herrschaft und Unterdrückung kommen im Kapitalismus vermittelt, also indirekt zum Ausdruck. Sie sind nicht unmittelbar Erfahrbar. Die erste Vermittlungsebene bildet natürlich der Markt. Ein jeder von uns muss etwas auf dem Markte feilbieten, um sich selbst reproduzieren zu können. Da die meisten von uns über keine Produktionsmittel verfügen, müssen wir uns selbst – unsere Fähigkeit zu arbeiten – auf dem Arbeitsmarkt anbieten. Dem ersten Augenschein nach ist es aber nicht ersichtlich, wie der vermittels Mehrarbeit dem Lohnabhängigen abgepresste Mehrwert von Kapital realisiert wird. Den meisten Lohnabhängigen ist gar nicht bewusst, dass die von ihnen geleistete Arbeit die Substanz des Kapitals bildet und dass sie an einem Arbeitstag weit mehr Wert erarbeiten, als ihr Lohn wert ist. Der Schein ist ein ganz anderer: der Lohnabhängige arbeitet und erhält hierfür einen Lohn – mehr ist unmittelbar nicht ersichtlich, die Ausbeutung verschwindet hinter dem Schleier eines (Arbeits-)Vertrages unter scheinbar gleichen Vertragsparteien. Ausgeblendet bleibt hierbei die fundamentale klassenmäßige Aufspaltung der kapitalistischen Gesellschaft in die Besitzer von Produktionsmitteln (von Fabriken und sonstigen Unternehmen), und in Lohnabhängige.
Weitere Vermittlungsebenen bilden natürlich die Politik und das durch sie geformte Rechtssystem. Die Rolle der Politik als des ideellen Gesamtkapitalisten, wie die Funktion des Rechts als eines objektivierten System von Regeln zur Aufrechterhaltung der Klassenherrschaft, verschwinden ebenfalls hinter dem von der bürgerlichen Aufklärung propagierten Prinzips der „Gleichheit vor dem Gesetz“, wie unter einer Unmenge weiterer ideologischer Apologien. Doch es ist gerade diese abstrakte „Gleichehit“ höchst ungleicher Subjekte – vom Tagelöhner bis zum Multinationalen Konzern -, die den rechtlich fundierten Kern kapitalistischer Herrschaft bildet. Der gesamte Rechtsstaat fußt ja au dem Prinzip, alle Personen ohne Ansehen ihrer gesellschaftlichen Stellung gleich zu behandeln. Im gewissen Sinne stimmt das ja auch: der Schutz des Privateigentums gilt gleichermaßen für den Obdachlosen wie für den Milliardär. Diese formelle „Gleichheit der Ungleichen“ bildet somit auch einen Teil des ideologischen Fundaments des Kapitalismus, und sie ist ja auch Auswuchs der dem Bürgerlichen Aufklärungsbegriff innewohnenden Vorstellung von Menschenrechten.
Im Alltag sind diese Vermittlungsebenen von Markt, Politik und Recht als objektive „Spielregeln“ erfahrbar, die für gewöhnlich nicht mehr hinterfragt werden. Diese Spielregeln nehmen einen Charakter von Naturgesetzen, von Sachzwängen – also von Zwängen, die durch Sachen/Dinge ausgeübt werden – an. Uns allen dürfte noch die entsprechende Sachzwang-Argumentation in den Medien während der Durchsetzung der Hartz IV Gesetze bekannt sein. Der Verschwörungsideologe geht nun davon aus, dass die von ihm halluzinierte Verschwörergruppe ihre dunklen Ziele gerade durch die Umgehung und Überschreitung dieser objektive Spielregeln erreicht, während es gerade diese Spielregeln selber sind, die die vermittelte Struktur kapitalistischer Herrschaft und Ausbeutung bilden.
Der Unterschied zwischen der ideologischen Erscheinung einerseits und der Realität unserer Gesellschaft anderseits ist also fundamental. Die Eigenbewegung des gesamten Medienapparat führt zudem in eine Ideologische Richtung, die den wahren Charakter unserer Portionsweise verschleiert. Laut offizieller Ideologie handelt es sich beim Kapitalismus um eine demokratische Gesellschaft, in der alle Bürger frei sind und dieselben Rechte genießen. Viele Menschen spüren aber, dass dies offizielle Bild irgendwie nicht mit der Realität übereinstimmt. Dies gilt insbesondere für die Politik, mit ihren für die Öffentlichkeit bestimmten Ritualen, und den tatsächlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit ablaufenden Entscheidungsprozessen, in denen sich zumeist das Kapitalinteresse durchsetzt, solange dies das Fortbestehen des Gesamtsystems nicht gefährdet – hier, an dieser Funktion des Staates als „ideeller Gesamtkapitalist“, setzen die meisten Verschwörungsphantasien an. Da öffentliche Darstellung und tatsächliche Machtausübung in der bürgerlichen Politik auseinanderfallen, kann hier die Fantasie des Verschwörungsideologen sich voll entfalten. Dieser vermittelter und verschleierter Charakter kapitalistischer Herrschaft stellt somit einen enormen Gegensatz zum Mittelalter dar, wo der Bauer von konkret erfahrbaren und greifbaren Menschen, dem Feudalherr oder Pfaffen, vermittels Feuer und Schwert zur Abgabe des Zehnten oder Fronarbeit genötigt wurde. Im Mittelalter wurde diese Ständegesellschaft ja ganz offen als göttliche Ordnung legitimiert.

Wer „herrscht“ im Kapitalismus?

Der Verschwörungstheoretiker ahnt nun ganz richtig, dass die offizielle Selbstdarstellung kapitalistischer Herrschaft, dass der Augenschein unser demokratischen Gesellschaft, trügt. Er macht hierfür die Umtriebe einer wie auch immer definierten Clique von Verschwörern verantwortlich - und nicht die dargelegte, von Vermittlungebenen charakterisierte Struktur des kapitalistischen System. Wir können auch sagen, der Verschwörungstheoretiker macht einen Schritt in die richtige Richtung, um hiernach wieder zwei Schritte zurück zu tun in ideologische Verblendung.
Wer „herrscht“ aber im Kapitalismus? Die Antwort ist simpel wie auch komplex: das Kapital. Es ist gerade dies abstrakte, nicht handgreiflich fassbare Wesen des Kapitals selber, das dieses Beharren des Verschwörungsideologen auf handgreifliche Sündenböcke befördert. Wir können niemanden das Kapital zeigen, da sich hierbei um einen gesellschaftlichen Prozess, um ein Produktionsverhältnis handelt, das über uns herrscht und dass letztendlich wir selber alltäglich „erarbeiten“.
Wir können nur Momente, Transformationsformen der Kapitalreproduktion sinnlich erfahren: das Geld, die Maschinerie in der Fabrik, den Arbeiter am Fließband oder den Angestellten im Büro. Dies alles sind Momente des beständigen Formwechsels des Kapitals in seinem Reproduktionskreislaufs. Das Kapital ist aber nur aus seinen Akkumulationsprozess heraus zu verstehen. Dies ist die Uferlose, auf permanenten Expansion angelegte Bewegung von Geld, das Vermittels Investitionen in Waren, Arbeitskräfte und Produktionsmittel zu mehr Geld werden soll. Geld- Ware- Mehr Geld (G-W-G´): Ein in solch permanent anschwellenden Kreislauf befindliches Geld ist Kapital.
Zentrale Bedeutung kommt hier der menschlichen Arbeit zu. Denn sie ist die einzige Ware, die mehr Wert schafft, als sie selber wert ist. Wir „erarbeiten“ uns unsere eigene Unterdrückung. Je mehr wir als Lohnarbeiter leisten, desto größer die Profite der Unternehmen, desto schneller schreitet die längst alle Gesellschaftsbereiche und Weltregionen erfassende (und verheerende Kapitalexpansion) voran. Gesamtgesellschaftlich betrachtet läuft die Kapitalakkumulation als ein eigenständiger, von der eigenen Dynamik der höhstmöglichen Profitmaximierung getriebener Prozess ab, der über den Menschen abläuft, von niemandem gesteuert wird - dadurch, dass alle Menschen Geld verdienen müssen, um leben zu können. Den Prozess als solchen hat niemand auf der Rechnung, er wird von niemandem gesteuert. Diese Tatsache eine blinden, Gesamtgesellschaftlichen Prozesses, den die gesellschaftlichen Subjekte erzeugen und dem sie zugleich unterliegen, relativiert ja die Erkentniss der Aufklärung, wonach „Menschen ihre Geschichte“ machen – sie „machen“ machen sie nicht Bewust, sondern sind diesem durch ihr Handeln erzeugten Prozess ohnmächtig ausgeliefert. Alle, selbst die mächtigsten Akteure der Gesellschaft sind dem eisernen Gesetz der Kapitalreproduktion unterworfen – selbst mächtige Kapitalisten fungieren ja nur als Charaktermasken (Marx) ihrer ökonomischen Funktion.
Niemand steht da im Irgendwo versteckt „hinter den Kulissen“, um die Fäden des gesamten Systems zu ziehen. Nicht irgendwelche Bösewichte im Hintergrund, sondern das kapitalistische System als solches, konkret der besagte Prozess der Kapitalakkumulation, ist das Problem. Selbst die kapitalistischen Eliten in Politik und Wirtschaft bemühen sich mehr schlecht kein Recht, diesen Krisengeschüttelten Prozess der Kapitalakkumulation aufrecht zu erhalten, zu optimieren und zu lenken. Der amerikanische Ökonom und Marxist Paul Sweezy prägte für dieses Verhältnis von kapitalistischer Elite und kapitalistischer Krisendynamik die Metapher des Mannes, der einen Tiger zu reiten versucht. Selbst der größte Kapitalist ist nur ein getriebener des Kapitals, der „bei Strafe seines eigenen Untergangs“ (Marx) den Spielregeln der Profitmaximierung gehorchen muss.
Somit ist klar, es die objektive Struktur des Kapitalismus selbst ist, die dem um Erkenntnis bemühten Betrachter enorme Hindernisse in den Weg legt. Ausbeutung und Herrschaft funktionieren im Kapitalismus vermittelt, indirekt. Diese Vermittlungsebenen bestehen aus dem Markt, der Politik und dem Rechtssystem. Es ist nun auch klar, dass wir eher fragen müssen „Was“ - und nicht „Wer“ - im Kapitalismus herrscht: Es ist dies der uferlose, widersprüchliche und potentiell Selbstzerstörerische Prozess der ewigen Kapitalakkumulation, also ein gesellschaftliches Verhältnis, ein Produktionverhältnis, das – obwohl durch die Handlungen von Menschen konstituiert – ein „Eigenleben“, eine eigene Dynamik entwickelt. Marx wählte für die Charakterisierung dieses Prozesses der Kapitalakkumulation die widersprüchliche Begrifflichkeit des „Automatischen Subjekts“. Das Kapital ist seinem Wesen nach ein abstrakter Prozess, der direkt nicht sinnlich erfahrbar ist.
Der Verschwörungstheoretiker nimmt nun durchaus tatsächlich ablaufende Verschwörungen innerhalb der herrschenden Klasse aus Politik und Wirtschaft wahr, die im Rahmen der dargelegten Bemühungen zur Optimierung, Aufrechterhaltung oder Lenkung des - blind ablaufenden und von der eigenengesetzlichen Dynamik der höchstmöglichen Verwertung getriebenen - Prozesses der Kapitalakkumulation umgesetzt werden. Selbstverständlich nahmen die Operationen, die zur Durchsetzung der Hartz IV Gesetze von der herrschenden Klasse eingeleitet wurden, den Charakter einer Verschwörung an. Ähnliches ließe sich über die Vorbereitungen der Kriege gegen Jugoslawien oder den Irak sagen. Der Verschwörungstheoretiker sieht nur hinter diesen Rahmen der bekannten Institutionen stattfindenden Verschwörungen eine weitere, diesmal halluzinierte Verschwörung. Ihm ist es nicht möglich, Hartz IV oder den Irakkrieg als Aktionen zu begreifen, die sich aus der Eigengesetzlichkeit eines abstrakten Produktionsverhältnisses – also der Kapitalakkumulation – ergeben. Niedrigere Lohnkosten, zu deren Durchsetzung Hartz IV beitrug, lassen selbstverständlich die Profite des Kapitals kurzfristig explodieren (und langfristig die Kaufkraft sinken). Kriege, wie der in Irak, werden zumeist zur Sicherung von Rohstoffen, die der Kapitalakkumulation unabdingbar sind, geführt.
Stattdessen braucht es für den Verschwörungstheoretiker immer einer Gruppe von konkreten, handgreiflich fassbaren Menschen oder Institutionen, die irgendwo im Hintergrund die Fäden ziehend an allen möglichen negativen Auswirkungen kapitalistischer Vergesellschaftung schuldig sein sollen. Ob es nun Ackermann oder Bertelsmann sind – sie werden vom Verschwörungstheoretiker nicht aufgrund ihrer Funktion innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft kritisiert (auch von anderen Personen ausgeübt werden könnte), sondern moralisch: als bösartige Agenten einer hinter den Kulissen ablaufenden, bloßen Augenschein nicht zugänglichenVerschwörung.
Das heißt natürlich nicht, dass man die Verantwortlichen für diese Politik nicht politisch zu bekämpfen hat. Es sollte aber nicht die Illusion aufkommen, dass mit dem Verschwinden der betreffenden Personen oder Institutionen – ob Ackermann oder Bertelsmannstiftung – die Ursachen der beklagten Fehlentwicklungen (Finanzmarktgetriebener Kapitalismus, Demokratie- und Sozialabbau, Militarisierung etc.) beseitigt wären. Nur die Überwindung der dargelegten gesellschaftlichen Verhältnisse, der Produktions- und insbesondere Eigentumsverhältnisse, kann tatsächlich die auch vom Verschwörungstheoretiker beklagten Widersprüche kapitalistischer Vergesellschaftung in Geschichte überführen. Tatsächliche Befreiung ist nur jenseits unserer kapitalistischen Gesellschaft möglich, die nur als ein Wurmfortsatz uferloser Kapitalakkumulation ihre Daseinsberechtigung erhält.
Das kapitalistische System selbst wird von dem Verschwörungsideologen gar nicht als solches reflektiert. Es hat den Anschein, als sei es in seinem Bewusstsein längst zu einer ewigen Naturvorraussetzung menschlicher Existenz sedimentiert – ganz im Sinne des verkürzten bürgerlichen Aufklärungsbegriffs. Eine uralte Oberflächenerscheinung der Machtausübung, die Verschwörung, wird zum geheimen Urgrund jeglicher negativen Auswirkungen des Kapitalismus erklärt. Der Verschörungsideologe sieht folglich in dem Windmühlenkampf gegen die „Politik hinter der Politik“ seine primäre Aufgabe. Die Widersprüche des abstrakten, sinnlich nicht direkt wahrnehmbaren Prozesses der Kapitalreproduktion werden personifiziert gedacht als die Machenschaften von Verschwörern. Die Auswirkungen abstrakter gesellschaftlicher Prozesse werden so in der Verschwörungstheorie zu der Eigenschaft von Personen oder Dingen.

Verschwörungsideologie und Krise

Es stellt sich nun die Frage, weshalb dieses ideologisch verzerrte Bild des Kapitalismus - vor allem in Krisenzeiten – so dermaßen populär ist. Derzeit ist es ja die längst zu einer penetranten Religionsgemeinschaft mutierte „Bewegung 9/11“, der die bereits hinlänglich bekannte und aufgedeckte Verschwörung im Vorfeld des Terrorangriffs auf das World Trade Center als Erklärung nicht ausreicht. Hinzu gesellen sich neuerdings debile Verschwörungen, die die Weltwirtschaftskrise als Folge einer Verschwörung des „angelsächsischen Finanzkapitals“ halluzinieren. Wie könnte es auch anders sein, wenn die gesamte Welt nur als Folge einer Weltverschwörung wahrgenommen wird? Dann müssten ja auch die Krisen – da die krisenhafte, aus der Kapitalakkumulation resultierende Eigendynamik des kapitalistischen Systems nicht wahrgenommen wird – auf das wirken einer Mächtigem Verschwörerclique zurückzuführen sein.

In Krisenzeiten scheint es dem Verschwörungsideologen folglich so, als würden die Verschwörer ihre Aktivitäten ausweiten und kurz vor dem Erreichen ihrer finsteren Ziele (zumeist der Weltherrschaft) stehen. Der Verschwörungsideologe intensiviert dementsprechend seinen Windmühlenkampf gegen diese Verschwörer, und seine Aktivitäten beginnen pathologisch-paranoide Züge anzunehmen. Überall werden Agenten der Verschwörung vermutet, die den als Aufklärer sich imaginierenden Verschwörungsideologen auflauern. Alle Zweifler und Skeptiker, die den Verschwörungsideologen auf den offensichtlichen Irrsinn seiner Wahnvorstellungen aufmerksam machen (wie die simple Tatsache, dass eine hinter dem Anschlag auf das World Trade Center steckende Regierungsverschwörung Tausende von Menschen hätte einbeziehen müssen), werden oftmals als Agenten der Weltverschwörung halluziniert.
Solche verschwörungideologischen Welterklärungen können sich sehr schnell verbreiten. Gerade in Krisenzeiten, wenn viele vorher apolitische und theoretisch unerfahrene Menschen nach den Ursachen der auf ihr persönliches Leben sich auswirkenden Verwerfungen fragen, üben solche primitiven Erklärungsmuster, die die Krisentendenzen des Kapitalismus auf das böse Wirken einer Gruppe böser Menschen reduzieren, eine ungeheure Faszination aus. Dies erspart dem Verschwörungsideologen das Denken, die mühsame Erkenntnis der gesellschaftlichen Struktur, der inneren Antriebsdynamik und der Vermittlungsebenen kapitalistischer Herrschaft.
Die „Neue Weltordnung“ ist für den Verschwörungstheoretiker also das Resultat des Strippenziehens einer Gruppe von einflussreichen Verschwörern; anstatt als Ergebnis der prozessualen Entwicklung der dem Kapitalismus innewohnenden Widersprüche begriffen zu werden. Die meisten politischen Verschwörungen, die es zweifellos gibt, sind nur aus dieser destruktiven Dynamik, die dem kapitalistischen System innewohnt, zu erklären. Letztendlich ist es der Drang des Kapitals nach permanenter Expansion und die dafür notwendige Jagd nach Rohstoffen, was die imperialen Mächte zu ihren blutigen Abenteuern treibt. Die Verschwörungen, von Regierungsmitgliedern und Industriellen, die teilweise solchen Kriegen vorhergehen, sind nur Folge - und nicht Ursache! - dieses besagten gesellschaftlichen Verhältnisses. Es ist das System, das selbst die mächtigsten Akteure – selbst einen George Bush, Rupert Murdoch oder George Soros – zu getriebenen macht. „Bei Strafe ihres eigenen ökonomischen Untergangs“ haben sie gemäß der gleichen Systemlogik der Kapitalverwertung zu agieren. Solange es den Kapitalismus gibt, wird das Verschwörungen geben, werden Verschwörungsideologen daran irre werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass den Verschwörungsideologen das Bewusstsein vom historischen Charakters unserer Gesellschaftsformationen fehlt. Der Kapitalismus ist eine blinde Voraussetzung ihrer Ideologie und ist folglich auch nicht Gegenstand ihrer Betrachtungen. Die aus dem widersprüchlichen Charakter der Kapitalakkumulation resultierenden gesellschaftlichen Verwerfungen werden hingegen – in der Tradition des verkürzten bürgerlichen Aufklärungsbegriffs - auf den bösen Willen einer Gruppe böser Menschen, also einer Verschwörerclique, zurückgeführt.
Nun dürfte auch die eingangs vorgenommene und zur Diskussion gestellte begriffliche Scheidung zwischen Verschwörungstheoretikern und Verschwörungsideologen klar werden: Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich so, als ob ein Verschwörungsideologe „Aufklärung“ betreiben würde, da es ja tatsächlich auch in unserer Zeit an Verschwörungen nicht mangelt. Und schließlich können Verschwörungsideologen echte Verschwörungen aufdecken. Auch ein ideologisch verblendetes Huhn findet mal ein Körnchen Wahrheit. Dennoch – bei aller oberflächlichen Ähnlichkeit - hat das Treiben der Verschwörungsideologen nichts mit echter, der Erkenntnis unserer Gesellschaftstruktur dienender Aufklärung zu tun. Einem der Erkenntnis der gesellschaftlichen Zusammenhänge verpflichteten Verschwörungstheoretiker dient eine aufgedeckte Verschwörung vor allem zur Illustierung der dem Kapitalismus innewohnenden Antagonismen, die aus seiner Struktur als Klassengesellschaft - und der widerspruchsvollen Dynamik der Kapitalakkumulation - resultieren. Eine aufgedeckte Verschwörung dient dem Verschwörungstheoretiker folglich dazu, anhand dieses konkreten Beispiels die Notwendigkeit der Überwindung unserer kapitalistischen Produktionsweise aufzuzeigen, die eben mit gesetzesmäßiger Zwangsläufigkeit Krisen, Kriege und auch Verschwörungen hervorbringt.
Der Verschwörungsideologe sieht hingegen in jeder aufgedeckten Verschwörung nur einen weiteren Ansporn, nach dem nächsten Komplott zu suchen. Mit jeder aufgedeckten Intrige verfestigt sich bei ihm seine Wahnvorstellung, der zufolge es da eine oberste aller Verschwörung wird, welche hinter den Kulissen alle Strippen zieht und die Geschicke der Welt lenkt. Für ihn bleibt die Welt eine einzige Weltverschwörung. Dieses Denken ist höchst gefährlich. Die Erlösung aus diesem paranoiden Wahnsystem scheint dem Verschwörungideologen nur in der Auslöschung der Gruppe möglich, die er der Verschwörung bezichtigt.
Es muss hier aber auch in aller Deutlichkeit abschließend festgehalten werden, dass man den Verschwörungsglauben nicht automatisch als Faschismus bezeichnen darf. Viele Verschwörungsideologen haben eher ein progressives, fortschrittliches Selbstbild. Sie sehen sich als Kämpfer gegen eine verschwörerischen Machtelite, die mittels einer verbrecherischen Politik die Welt zu beherrschen trachtet. Dennoch muss auf die strukturellen Übereinstimmungen des Verschwörungsglaubens mit der faschistischen Ideologie hingewiesen werden: Es waren insbesondere die Nazis, die konsequent die kapitalistische Welt als ein einzige Weltverschwörung wahrnahmen. All die ungeheuren Widersprüche kapitalistischer Vergesellschaftung, ihre Krisenanfälligkeit und die ungeheure Verelendung breitester Bevölkerungsschichten während der letzten Weltwirtschaftskrise wurden auf das bösartige und gesellschaftersetzende Wirken einer verschworenen Gruppe von Menschen – in diesem Fall der Juden – zurückgeführt. Das jeglicher menschlichen Eigenschaften entkleidete antisemitische Wahnbild „des Juden“ fungierte hier als die Personifizierung aller negativen Auswirkungen kapitalistischer Vergesellschaftung.
Dies ist ja das genaue Gegenteil linker, antikapitalistischer Theoriebildung und Praxis, die ja gerade auf die Erkenntnis und Überwindung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse abzielt - und sich nicht in der fiebrig-wahnhaften Suche nach irgendwelchen Sündenböcken verliert.

Quelle:

giovedì 17 settembre 2009

Sündenbock Manager

VON JULIAN ZÖSCHG | Allerorts wird es angestimmt, das Klagelied über gierige Manger und Broker, über eine Gruppe von Menschen, welche sich parasitär in unsere Gesellschaft eingenistet haben und sie durch Habsucht fast erdrückt hätten.
Da ist es wieder, ein personalisiertes Schreckgespenst, welches sich das ressentimentgeladene bürgerliche Subjekt herbeihalluzinieren muss, damit die Widersprüche seiner Ordnung nicht die selbige zerreisen.
Nein, sie sind mir nicht sympathisch, diese neoliberalen „Eliten“ und ich werde mich keineswegs zu ihrem Advokaten erheben, doch sie trifft nur sehr bedingt die Schuld für das, was unter dem Titel „Weltwirtschaftskrise“ firmiert und eigentlich eine ökonomische, soziale und ökologische Polykrise ist. Doch wer den Fehler in der natürlichen Gier, charakterlichen Schwäche oder im hintertückischen Versuch bewusster Ausbeutung verortet, der muss sich die unbequeme Systemfrage nicht stellen. An was es schließlich fehlte, war Regulierung für unsoziale, gewissenlose Finanzjongleure, Kapitalismus als solcher funktioniere ja krisenfrei.
Es wird nun ständig heraufbeschworen, was dieses Fehlverhalten der Managern mit einer Gesellschaft angestellt habe, welche Ungerechtigkeit dadurch entstanden sei, welche Schieflage nun den integren Frieden gefährde, als ob niemals ein Herrschaftsverhältnis in unserer Sozietät existiert hätte.
Über die strukturellen Ursachen, welche derartige Charaktermasken erst hervorbringen, wird geschwiegen. Dass der Mensch nicht gierig geboren wird, sondern einer strukturellen Formung und Selektion unterliegt, wird meist nicht gesehen.

Die Nichtschuld der Manager an der Krise
Die Manager - Kinder der neoliberalen Ideologie – haben den Wagen an die Wand gefahren, so die weitverbreitete Meinung. Dabei wird impliziert, dass es sich beim Neoliberalismus um ein Modell des Machtausbaus und der Bereicherung gewisser Kreise handle, um eine politische Entscheidung moralisch Armer, als ob einfach zwei Optionen zu Wahl gestanden hätten: Weiterhin fordistisch/sozialwirtschaftlich zu Produzieren, oder umsteigen auf einen neoliberalen „Finanzmarktkapitalismus“.
Der Neoliberalismus war wahrlich gewollt, jedoch nicht um den Kapitalismus zu "barbarisieren", sondern um die Kapitalakkumulation weiterhin zu gewährleisten, sprich das System möglichst bruchfrei fortzuführen. Die Art des Wirtschaftens zwischen 1950 und 1970 hätte nicht weiterbestehen können und ist auch nicht in selber Art restituierbar. Die Krise von heute ist die Folge einer tiefgreifenden, strukturellen Krise des Fordismus der 1970er.
Diese vielgelobte Nachkriegsperiode wirtschaftlicher Prosperität war Resultat diverser Momente. Vor allem baute sie auf Kapitalexpansion (sprich Wachstum) nach innen hin auf. Es wurden noch nicht erschlossene Teile gesellschaftlichen Lebens für die Kapitalakkumulation geöffnet. Das Private wurde gänzlich der Warenform unterworfen: Nahrungsmittel wurden von nun an nur noch in Supermärkten gekauft, durch eine unglaubliche Produktivkraftsteigerung wurde Technik erschwinglich, Haushalte wurden so elektronisch aufgerüstet, die Unterhaltungsindustrie entstand und der Autoboom nahm Gestalt an. Um 1970 war diese Urbarmachung abgeschlossen, die Märkte waren gesättigt, zahlungsfähige Nachfrage erschöpft, die Kapitalexpansion nach innen konnte nicht fortgeführt werden. Das angehäufte Kapital fand keine Investitionsmöglichkeiten mehr, um eine Entwertung des Wertes zu verhindern, wurden die bis dato stark protegierten, nationalen Märkte geöffnet, um dort überschüssige Kapitalien gewinnbringend anlegen zu können. Zudem wurde aus diesem Grund vermehrt in die Finanzmärkte investiert. Der Neoliberalismus hat diese Möglichkeiten eröffnet und somit das drohende Krisenmoment der 1970er „überwunden“, um es lediglich zu verzögern. Die Krise kam so in Form einer „Finanzkrise“ einige Jahrzehnte später zurück und entfaltete dabei eine potenzierte Destruktivkraft. Es handelt sich bei der aktuellen Situation folglich um eine strukturelle Problematik, nicht um das Fehlverhalten einer Berufsgruppe.

Ressentiment als Aufhebung der immanenten Widersprüchlichkeit
Dennoch imaginiert das bürgerliche Subjekt Schuldige, Personen welche die alleinige Verantwortung für all dies tragen. Da es seiner Sozialisation und der Verfasstheit seiner Gesellschaft und den darin ständig aufs neue reproduzierten Sachzwängen durch sein alltägliches Bewusstsein nicht entfliehen kann, verfangen ist im Fetisch der Warenform und des Geldes, des Unendlichwachstums und der Lohnarbeit, vermag es die Widersprüchlichkeit, welche diese Formen hervorbringen und die Krisen, welche sie produzieren, nicht zu verstehen.
Darin offenbart sich der Grund für die Personalisierung des Unheils, für die Heraufbeschwörung der Ackermanns. Es scheint dem postmodernen Menschen ein Bedürfnis, Erklärung zu finden, er durchschaut dabei aber nicht die systemimmanente Logik. So projiziert er all das Destruktive, welches der Dialektik kapitalistischer Vergesellschaftung entspringt, auf den Sündenbock.
Sich nicht mit den strukturellen Bedingungen auseinanderzusetzen, heißt sie nicht hinterfragen zu müssen. Die gewohnte Ordnung bleibt intakt durch die Stigmatisierung eines gesellschaftlichen Teils, eines „Bauernopfers“, welchem vorgeworfen wird, die Sozietät fast geopfert zu haben. Die Reform genügt so zur Korrektur, die Struktur bleibt „intakt“.

Quelle: http://julianzoeschg.twoday.net/

mercoledì 2 settembre 2009

Demokratie: die heiligste aller Kühe

So delikat es vor einigen hundert Jahren gewesen sein muss (und in einigen dunklen Tälern Südtirols noch heute ist), die Gretchenfrage – Wie hältst du’s mit der Religion? – überhaupt zu stellen, so delikat erscheint es in unserer Zeit, die Demokratie als Organisationsform zu hinterfragen.

Der Konsens, der darüber zu herrschen scheint, erfreut sich eines soliden Fundaments von ganz Links bis ganz Rechts. Wen wundert’s, dass einer der heftigsten Vorwürfe politischer KontrahentInnen der ist, „antidemokratisch“ zu sein? Unter dem Gesichtspunkt einer Gesellschaftskritik, die sich nicht nur mit der zensurfreien Themenpalette des Konformismus begnügt, ist es unerlässlich, gerade solche Fragen zu stellen.

Zuallererst müssen wir festhalten, dass es „die Demokratie“ nicht gibt, sondern verschiedene Formen politischer Organisation, die sich demokratisch nennen und zum Teil starke konzeptionelle Unterschiede aufweisen (z.B. „Volksdemokratien“, Rätedemokratie, parlamentarische Demokratie). Letztere ist es, die sich heute zusammen mit der „freien Marktwirtschaft“ – d.h. Kapitalismus, der einmal neoliberal war und nun auf der Suche nach einem neuen Adjektiv ist - so großer Beliebtheit erfreut, dass einige gar das Ende der Geschichte zu sehen glaubten.

An einer dieser mannigfaltigen Formen haben viele in Südtirol nun ihren Narren gefressen: Mit einer Abstimmung soll am 25. Oktober 2009 ein Gesetz eingeführt werden, welches die gegenwärtig praktizierte parlamentarische Demokratie „direkter“ machen soll, d.h. es soll die Möglichkeit geben, den Willen des „Volkes“ ungebrochen (also ohne den Umweg über die Delegation an Parteien und PolitikerInnen) zum Ausdruck zu bringen. Ein hehres Anliegen, das von vielen bedingungslos unterstützt wird und große Hoffnungen weckt.

Zu Recht – insofern die Sicht allein auf eine formale Korrektur technisch-instrumenteller Natur beschränkt wird, die sowohl ihren Inhalt als auch ihren Kontext (die beide miteinander verknüpft sind) ausblendet und selbst die Form vorbehaltlos übernimmt. Dass gerade in diesem Diskurs wieder auf die mittlerweile fast verpönte Kategorie des „Volkes“ zurückgegriffen wird, offenbart eine wesentliche Funktion, welche die Demokratie als Herrschaftsform im modernen Staat seit Anfang an auch erfüllt: die Verschleierung und Integration. Das „Volk“ kennt keine Differenzen, keine Widersprüche in sich, es ist eine Gruppe, die einzig durch den gemeinsamen Glauben an eine höhere Einheit von ansonsten sich fremden Menschen verbunden werden. Objektive strukturelle Widersprüche, wie sie die kapitalistische Produktionsweise hervorbringt, existieren in der Gemeinschaft des „Volkes“ nicht, welches ihrerseits seinen Widerspruch im Volksfremden sieht, also all jenen, die außerhalb der Gemeinschaft stehen. Die Demokratie im modernen Staat kennt nur dieses Volk, diesen abstrakten Konsens, während sie gleichzeitig jeden potentiellen Widerspruch kanalisiert und in das demokratische System integriert. Erst wenn dies nicht gelingt, zeigt der Staat sein anderes, ebenso wahres Gesicht und lässt die Truppen aufmarschieren. Die Demokratie stößt an ihre Grenzen, wenn eine Gruppe eine der drei Säulen der Staatlichkeit, nämlich Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt, in Frage stellt. Separatistische Bestrebungen können ein Lied davon singen. So war die Ausweitung des Wahlrechts auf unterprivilegierte Schichten im England der beginnenden Neuzeit vor allem eine Reaktion auf die wachsenden sozialen Spannungen, die durch den Schein der Mitbestimmung – die Macht lag in der Hand der sich entwickelnden bürgerlichen Klasse – abgeschwächt werden konnten. Und noch heute stellt der Staat ein dynamisches System dar, welches strategisch selektiv die Interessen der KapitalistInnen begünstigt, und eben keinen neutralen Schiedsrichter, als der er gerne gesehen wird. Franz Naetar schreibt: „Demokratie“ ist zurzeit also vielleicht der wichtigste ideologische Begriff zur Aufrechterhaltung und Verteidigung der kapitalistischen Weltordnung. Ohne die hinter diesem Begriff vorhandene Herrschaftsform infrage zu stellen, ist jedenfalls eine Kritik an dieser Weltordnung zahnlos.“ (Grundrisse Online) Die kapitalistische Produktionsweise hat eine Gesellschaft hervorgebracht, die ihr entspricht und die sie bis in die letzte Faser durchdringt. Diese beiden – Staat und Kapitalismus – stellen den Kontext dar, in dem sich die Demokratie verwirklicht. Jede Veränderung, die sich nur auf die politische Organisationsweise beschränkt, wird auch nie darüber hinauskommen.

Der zweite Punkt ist mit dem ersten direkt verbunden, er greift den schon angesprochenen Inhalt nochmals auf. Wer das demokratische Verfahren über alles stellt, ohne die eigentlich Handelnden eines Blickes zu würdigen, sollte sich das Beispiel des Nationalsozialismus zu Herzen nehmen: Was ist an einem Staat – dem „Dritten Reich“ – undemokratisch, wenn doch der Wille der Mehrheit der Repräsentierten so eins ist mit dem Willen der Repräsentanten? Der Volkswille hat geherrscht, hat Krieg geführt, gemordet und zerstört – direkte Demokratie par excellence. Dass das „Volk“ in der „Volksgemeinschaft“ der Nazis ein höheres Stadium erreicht hat, in dem alle gesellschaftlichen Gruppen und jedes Individuum integriert wurden und die innere Reinigung in der Verfolgung der Jüdinnen und Juden ihren Ausdruck fand, zeigt diese Ambivalenzen aufs deutlichste. Die Demokratie bleibt leer und hinter alle in sie gesetzte Hoffnung zurück, wenn die gesellschaftliche Verfasstheit – und die Produktionsweise, die sie bedingt – sich nicht auch ändern.

Es geht hier also nicht darum, „die Demokratie“ zu verwerfen, sondern den Blick zu schärfen auf das, was sich hinter dieser spezifischen Form demokratischer Herrschaft verbirgt. Gleichzeitig wäre es verkürzt, in der Einführung direktdemokratischer Elemente in Südtirol nicht auch die emanzipatorischen Momente zu sehen. Gerade in der Südtiroler Gesellschaft, die von einer starken Autoritätshörigkeit – Gott, Kaiser, Vaterland, die Geschichte zieht sich fort – geprägt ist (der Schritt zu Faschismus und Nationalsozialismus ist daher ein umso kleinerer, siehe Adornos „Studien des autoritären Charakters“), stellt die direkte Demokratie in dieser Hinsicht gewiss einen kleinen Fortschritt dar, da sie ein zweifaches Potenzial in sich trägt: Einerseits kann der Alleinanspruch der politischen RepräsentantInnen auf die politische Macht zurückgewiesen werden, andererseits sehen sich die Menschen womöglich weniger als passives Stimmvieh, als KonsumentInnen von Meinungen und Positionen, sondern sind selbst gefordert und müssen so eine aktive Rolle einnehmen. Nicht mehr und nicht weniger, und aus diesem Grund Wert, das Anliegen zu unterstützen, wobei gleichzeitig die Diskussion ausgeweitet und die Kritik vertieft werden muss. Denn einem Imperativ von permanenter Kritik und Selbstkritik folgend sind heilige Kühe - wie jene der Demokratie - dazu da, geschlachtet zu werden.*


Literatur zum Thema:

Franz Naetar: Wie hältst Du es mit der Demokratie? Artikel in Grundrisse Online


* Es sei darauf hingewiesen, dass die Verwendung dieser Metapher nicht zur Reproduktion bestimmter unreflektierter soziale Gewohnheiten beitragen soll.

mercoledì 26 agosto 2009

Skinhead = Neonazi? Der Kampf gegen ein weit verbreitetes Klischee

Vorurteile und Gerüchte halten sich hartnäckig, ganz egal wie sehr mensch gegen sie ankämpft. Diese Erkenntnis ist weder neu noch sonderlich überraschend. Der Wunsch des Menschen, Dinge in einen möglichst einfachen Kontext einzuordnen, der Drang nach einem klaren gut-böse Schema führen nicht selten dazu, dass gewisse Personen- oder Bevölkerungsgruppen mit Adjektiven und Angewohnheiten versehen werden, die nur auf einen kleinen Prozentteil wirklich zutreffen. Deutsche sind per se fleißig, Italiener die perfekten Liebhaber, Schweizer Perfektionisten oder Franzosen die besten Köche. „Stereotyp“ wird diese simple Zuschreibung von Merkmalen an eine Gruppe von Menschen in der Fachsprache genannt.
In der politischen Auseinandersetzung sind diese Stereotypen ebenfalls in regem Gebrauch und kommen zum Einsatz, um eine politische Gruppe entweder zu diskreditieren oder sie einzugrenzen und für den Außenstehenden erkennbar zu machen. Im zweiten Fall kommt den Medien eine herausragende Rolle zu. So werden Linke meist synonym mit Punks gesehen, während für den Rechten nach wie vor die Darstellung als Skinhead populär ist. In beiden Fällen trifft diese Einteilung in keiner Weise zu, dafür sind die beiden Lager zu vielschichtig.
Der Leser wird sich nun fragen, was diese Einleitung mit dem Thema „Skinheads“ gemein hat. Nun, speziell die lange Geschichte der Skinheads ist ein Paradebeispiel für die Entfremdung und Umdeutung einer ganzen Subkultur, die durch ebendiese, in den Köpfen der Menschen entstehenden und von den Medien in die Wohnzimmer transportierten, Stereotypen zu Stande kommt.
In weiten Teilen der Gesellschaft und Bevölkerung herrscht nach wie vor die Version eines Skinheads als Hitlerfan, Rassisten und Faschisten vor. Eine Darstellung, die mit der Wirklichkeit rein gar nichts zu gemeinsam hat und trotzdem durch die ungeheure Macht der Medien in die Köpfe der Menschen gepflanzt wurde. Auch wenn es einem Kampf gegen Windmühlen gleicht, versucht dieser Text einmal mehr aufzuzeigen, weshalb ein Skinhead niemals ein Neonazi sein kann und die traditionellen Werte dieser Subkultur nicht im Einklang mit dem totalitärem Führergedanken stehen. Beschäftigt mensch sich mit den Skinheads, ist es unumgänglich ihre Entstehung und Geschichte zu analysieren:
Die Geburtsstunde der Skinhead-Bewegung war das England der 60er Jahre. In den Vorstädten der englischen Industriestädte trafen die Jugendlichen der englischen Arbeiterklasse auf Söhne und Töchter der Einwanderer aus der Karibik, die eine Musik im Gepäck hatten, die zu einem essentiellen Bestandteil der Skinheads werden sollte – Ska. Gemeinsam trafen sich schwarze und weiße Jugendliche in Clubs und Konzertsälen, um gemeinsam zu dieser Musik zu tanzen und zu feiern. Die Hautfarbe war in diesen Anfangstagen der Skinheads ebenso wenig ein Thema, wie der Migrationshintergrund der karibischen Einwanderer. Zentrale Werte waren Zusammenhalt, Freundschaft und Individualität. Die Hautfarbe spielte nicht die geringste Rolle. Neben der Musik wurde die Mode zu einem weiteren zentralen Element der Skinheads. Als Kontrastpunkt zu den Hippies wurden die Haare kurz geschert, die Springerstiefel als Symbol für die Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse auch in der Freizeit getragen und bevorzugt auf Marken wie Fred Perry, Lonsdale etc. zurückgegriffen. Das typische Erscheinungsbild eines Skinheads entstand in dieser Zeit und fand auch unter den dunkelhäutigen Jugendlichen regen Anklang. So war es keine Seltenheit auf Konzerten und Partys schwarzen Skinheads zu begegnen. Es wird also deutlich, dass die Skinheads ohne die Symbiose der englischen Kultur und der Kultur der Einwanderer aus der Karibik nicht entstanden wären. Ebenso baute die Skinheadkultur stark auf bereits bestehenden Subkulturen auf, wie etwa den Mods, die ebenfalls stark von der schwarzen Kultur inspiriert waren. Ohne die Einflüsse der karibischen Einwanderer wäre die Skinheads nie entstanden, eine Tatsache, die heute die wenigsten Neonazis zu stören scheint, während sie im Skinheadoutfit stolz den Arm zum Hitlergruss erheben.
In den 80er Jahren sollte eine ehemalige Punkband names „Skrevdriver“, für den Untergang der traditionellen Skinheadkultur sorgen. Mit nationalistischen und rassistischen Texten, einhergehend mit der Übernahme des Kleidungsstiles der Skinheads, begann die Unterwanderung der Skinheadkultur von rechts – mit tatkräftiger Unterstützung rechtsextremer Parteien wie der British National Party (BNP), die die Skinheads als Fußtruppen für die eigene politischen Ziele einspannen wollte. Aufsehenerregende Anschläge, Schlägereien und Überfälle rückten diese verzerrte Karikatur der eigentlichen Skinheads in den Fokus der Öffentlichkeit. Damit war die Skinheadbewegung an ihrem Scheideweg angelangt. Reißerische Berichte in den Zeitungen und im Fernsehen, die sich dankbar auf diese Story stützen und Skinheads pauschal als rechtsextreme Schläger darstellten führten dazu, dass diese in der Öffentlichkeit und bei den jungen Leuten auch als solche wahrgenommen wurden. Eine neue Generation von Jugendlichen, die in einem Skinhead generell einen Neonazi sahen, sorgte für eine Flut von neuen Leuten in diese Szene, die sich mit Hitler und dessen rassistischen Zielen identifizierten. Die eigentliche Skinheadbewegung wurde zunehmend an den Rand gedrängt und Neonazis füllten den Begriff mit neuen Inhalten auf, die in keiner Weise vereinbar mit den eigentlichen Vorstellungen der Skinheads waren. Feierten die ersten Skinheads noch gemeinsam mit schwarzen Jugendlichen und rebellierten gegen die autoritäre Gesellschaft, herrschte nun Hass auf alles nicht Weiße, gepaart mit autoritären Vorstellungen vor. Die Skinheads waren zum Inbegriff von Neonazi geworden und sollten dies bis in unsere Zeit herauf auch bleiben.
Widerstand gegen diese Vereinnahmung der eigenen Kultur kam erstmals in den USA auf und schwappte bald nach Europa über. In New York gründeten Skinheads die Bewegung SHARP (Skinheads against Racial Prejudice). Von dieser Stadt aus breitete sich SHARP über den gesamten Globus aus und sorgte vielerorts durch vielfältige Aktionen für ein Zeichen für die wahre Natur der Skinheadkultur. Nichtsdestotrotz hielten die Medien an ihrer Darstellung fest, was als Hauptgrund dafür anzusehen ist, dass Skinheads sich auch heute noch mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, Rassismus und Faschismus zu frönen.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Projekten, Internetseiten, Kampagnen und dergleichen, die die Besetzung des Skinheads von rechts beenden wollen. Auch auf Konzerten und Festivals der Szene werden Neonazis und Grauzone-Bands immer mehr vertrieben, nicht zuletzt dank überaus erfolgreicher Kampagnen, wie „Good Night White Pride“. Auf dem bereits Erreichten sollte mensch sich jedoch keineswegs ausruhen, zu sehr ist das Bild der Skinheads in der Öffentlichkeit in ein schiefes Licht gerückt und von falschen Vorstellungen geprägt worden.
Richtig ist, dass sich der Großteil der Neonazi-Szene in Südtirol als Skinhead definiert und das eigene Aussehen und den Musikgeschmack daran anpasst. Falsch wäre es daraus abzuleiten, dass es sich bei ihnen demzufolge um wirkliche Skinheads handelt. Wie bereits erwähnt haben die Skinheads eine antirassitische und multikulturelle Entstehungsgeschichte und eine starke Ablehnung gegen Autoritäten und rassistischen Vorstellungen, daran ändern auch die Umdeutungsversuche der Neonazis und Medien nichts. Ein Skinhead kann niemals ein Rassist sein. Die stolze Eigenbezeichnung vieler Neonazis als Skinhead offenbart lediglich einmal mehr ihre vollkommene Widersprüchlichkeit. Wieso ist es aber von Bedeutung, den Neonazis diese Subkultur wieder zu entreißen und ihre ursprüngliche Ausrichtung wiederherzustellen? Ganz einfach, ihre Ideologie transportieren Neonazis hauptsächlich über Musik und subkulturelles Gebaren. Nicht ihre Inhalte oder brillant geschulte Aktivisten sorgen für den Nachschub an jungen Menschen, sondern die Bereitstellung einer neonazistischen Lebenswelt, in der die ideologische Beeinflussung vor sich geht. Die neonazistische Entfremdung des Skinheads nimmt hierbei den zentralen Stellenwert ein. Es ist die einzige Jugendkultur, die von Neonazis erfolgreich unterwandert wurde, zwar fächert das Angebot an verschiedenen Subkulturen, wie Metal, Hardcore oder Punk auch im rechtsextremen Bereich auseinander, die mit Abstand höchste Bedeutung hat aber nach wie vor der Skinhead. Erfahrungen in anderen Ländern Europas, insbesondere Deutschland, haben gezeigt, dass die Neonazis dort am erfolgreichsten zurückgedrängt wurden, wo ihnen der subkulturelle Rahmen entzogen wurde.
Was ein jeder und eine jede machen kann, ist persönlich gegen die fälschlichen Darstellungen der Skinheads vorzugehen. Klärt Leute auf, die Skinheads mit Neonazis gleichsetzen, schreibt Leserbriefe oder Briefe an die Redaktionen, wenn diese wieder Skinhead als Synonym für Neonazi benutzen. Unterstützt Kampagnen und Konzerte, die im Zeichen einer antirassistischen Jugendkultur stehen. Speziell im Raum Burggrafenamt wird in diese Richtung sehr viel gemacht. Zusammen mit antirassistischen Skinheads wird die Antifa Meran ein Flugblatt erstellen, das den wahren Hintergrund der Skinheads nochmals zusammenfasst. Interessierte können sich dieses, sobald es fertig ist von unserer Seite herunter laden, drucken und weiter verbreiten. Sorgen wir gemeinsam für ein Bewusstsein in dieser Angelegenheit, damit auf die Frage „Skinhead = Neonazi?“ immer mehr Menschen antworten können: Blödsinn!

Interessanter Links zu dieser Thematik:
http://www.du-sollst-skinheads-nicht-mit-nazis-verwechseln.de/

Miracle Hill Benefiz Festival

Auf dem Festival treten 10 Bands auf:
Nord Sound System (Dancehall Dj set aus Meran)Average (Punkrock aus Sarnthein)Souls in Panic (Metal/Hardcore aus Bozen) Manni Mascarpone und die Schlernbuam (charmant und ehrliche Musik aus Bozen)Don`t eat the yellow snow (Sublime Tribute aus Oberbozen)MP (Gangstarap aus Klobenstein)Black out (R.o.m.p. aus Welschnofen)What morphine can`t soothe (Deathmetal/Hardcore aus Bozen)Monkey Fists (Punkrock aus Welschnofen)Anti Copz Bastard crew (Genialer Alternativepunk aus Oberbozen/Unterinn)

Beginn: Samstag, 19. September 2009 um 13:00
Ende: Sonntag, 20. September 2009 um 01:00
Ort:Unterinner Festplatz (Ritten) (Zeltplatz vorhanden)
Stadt/Ort: Bolzano, Italy


OEW Organisation für eine solidarische WeltProjekt: Chipata - Seite an Seite

Land: Chipata, Sambia - Afrika

Problematik: In Chipata, im Westen Sambias, leben 80 prozent der Bevölkerung in großflächigen Armenvierteln. Durch die große Entfernung zur Schule und die große Armut ist es vielen Kindern nicht möglich eine Schule zu besuchen, das betrifft vor allem die vielen Waisenkinder.Die Lebenssituation dieser Kinder ist oft sehr problematisch. Sie leben bei ihren Großeltern oder bei anderen Verwandten, die sich bereits um ihre eigenen Kinder nicht ausreichend kümmern können oder krank und alt sind. Es gibt kaum Arbeitsmöglichkeiten, auch Trinkwasser ist nicht genug vorhanden.

Projektbeschreibung: Marco Sardella, eine Laienmissionar aus Mailand, und weitere Freiwillige haben 2005 ein halbfertiges Haus in dem Armenviertel "Magazine" gekauft und dieses zur Schule umgebaut.Der Schulbau ist nun abgeschlossen und es werden zurzeit 150 SchülerInnen von der ersten bis zur siebten Grundschulklasse in dem neuen Gebäude kostenlos unterrichtet. Aufgrund der großen Nachfrage nach einer schulischen Ausbildung kann jedoch nicht allen Kindern eine Ausbildung angeboten werden und so werden in der Auswahl Waisenkinder bevorzugt.Die Projektträger vor Ort kümmern sich darum, den Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, sie in ihrer Freizeit zu betreuen, ihre Familien einzubeziehen und zu begleiten, besonders in Krankheitsfällen. Die SchülerInnen bekommen in der Schule auch eine tägliche Mahlzeit. Um eine kontinuierliche Ausbildung zu gewährleisten, sind vor allem Schulmaterialien für Kinder und Honorare für LehrerInnen notwendig.

Zielgruppe: Waisenkinder und Kinder aus armen Familien, die sich sonst keinen Schulbesuch leisten können.

Ziel: Schulbildung für Waisenkindern und Kindern aus armen Familien,Erweiterung und Ausbau des Schulbetriebes,Versorgung der Kinder mit Schulmaterial und Nahrung.

domenica 16 agosto 2009

Stefano: Ucciso dalla polizia?



[Paolo Fabris/www.globalproject.info] In una sera d’estate, a Rovereto, Stefano Frapporti, dopo aver saltato un rosso in bicicletta, viene prelevato da due carabinieri e portato in caserma. Ne segue una perquisizione domiciliare con la quale i carabinieri trovano un etto di hashish.
Arresto immediato, conduzione in carcere, suicidio. Tutto in una notte.Il giorno dopo viene ordinata la cremazione del cadavere all’insaputa della famiglia; la famiglia riesce a bloccare la cremazione.
Finalmente la procura apre un’inchiesta. Questa è proprio una brutta storia perché Stefano era un artigiano falegname, incensurato; secondo chi lo conosceva era gran lavoratore,non faceva casini, non partecipava a manifestazioni, viveva una vita tranquilla del tutto simile alle nostre; una sola grande colpa: probabilmente quando arrivava a casa la sera invece che scolarsi alcolici, si faceva una canna per rilassarsi e chiudere la giornata.
Niente politica in questa storia, ma molte domande. Perché i carabinieri portano Stefano in caserma? È stato perquisito?Cosa gli è stato trovato addosso? Il fermo sembra non sia stato notificato al giudice (lo si devenotificare entro 48 ore), in che stato era Stefano al suo arrivo incarcere? Per ora non si sa, e la fretta per la cremazione fa nasceremolti sospetti riguardo al suo stato di salute. È forse statopicchiato? E da chi? Per regolamento (questa è la dichiarazione della direzione delcarcere) l’arrestato non può prendere contatto con i familiari, e conun avvocato? Lo stesso regolamento non permette che il carcerato abbia addossocinture o lacci, quelli con cui Stefano si è impiccato.Come uomo sono rattristato per la morte di Stefano, come cittadinosono molto preoccupato per l’opacità che caratterizza questa vicenda.Com’è possibile che un normale cittadino finisca in carcere la sera ela mattina esca cadavere? Di chi è la responsabilità? Delle guardiecarcerarie che lavorano in un carcere sovraffollato con cento detenutiinvece che trenta? O di chi ha portato Stefano in carcere, dato che sivoleva far sparire subito il corpo con la cremazione ? Vorrei leggereun’intervista in cui il maresciallo rassicura la comunità sull’operatodei suoi uomini.La classe politica roveretana, la coscienza civile, gli intellettualidi professione, dove sono? Anche quest’anno in vacanza, niente domandeda parte loro? Signor sindaco almeno uno straccio di dichiarazione di cordoglio ai familiari!
Io penso che siamo tutti uguali di fronte alla Legge e chi ha sbagliato (perché qualcuno qui ha sbagliato) debba assumersi leproprie responsabilità. Stefano non merita un’altra manfrina italiana.

Fonte: http://www.globalproject.info/it/community/Perche/1606

Lettera dal padre
Intervista familiari

martedì 21 luglio 2009

Dem Aufschrei müssen Taten folgen

In den vergangenen Tagen und Wochen wurde in den Medien umfangreich über ein Problem berichtet, das so neu nicht ist – die sog. „Hitlerjugend-Gruppen“ die sich in verschiedenen Dörfern gebildet haben.
Bereits seit Jahren gibt es im Raum Burggrafenamt jugendliche Cliquen, die sich offenbar in der Tradition der Jugendorganisation des Dritten Reiches sehen. So traten in Naturns beispielsweise schon vor rund vier Jahren junge Neonazis unter dem Label „Naturnser Hitlerjugend“ auf. Dies dürfte im Dorf selbst kaum unbemerkt geblieben sein, da es immer wieder zu Problemen und Übergriffen gekommen ist, die mit dieser Gruppe in Zusammenhang stehen. Erinnert sei an dieser Stelle an den mehr als missglückten Versuch einer Gruppe von Neonazis, maskiert und mit diversen Waffen ausgerüstet ein Konzert von alternativen und antifaschistischen Jugendlichen zu überfallen. Obwohl dieser Vorfall bereits einige Jahre zurückliegt, wurde schon damals deutlich, dass sich diese Gruppen weniger auf politische Arbeit im eigentlichen Sinne konzentrieren, als viel mehr auf gezielten Überfälle und Übergriffe auf ihnen unliebsame Personen. Gemessen an der Tatsache, dass bereits damals die Existenz verschiedener, mehr oder weniger gefestigter und aktiver neonazistische Jugendgruppen bekannt war, ist es nun umso mehr verwunderlicher, wie sehr manche RepräsentantInnen des öffentlichen Lebens von der Existenz ebensolcher Gruppen überrascht sind.
Prinzipiell ist es gut und richtig, dass diese Problem endlich öffentlich angesprochen und thematisiert wird, jedoch stellt sich die Frage, wieso dies so lange gedauert hat und die Verantwortlichen politischen Entscheidungsträger sich so überrascht mimen, wo doch seit Jahren die Notwendigkeit zu handeln gegeben war.
Die Antifa Meran warnt seit gut drei Jahren vor diesen Gruppen und die Gewalt, die von ihnen ausgeht. Nicht nachvollziehbar ist, dass es erst eine breite Berichterstattung in den Medien bedarf, um die Gesellschaft und allen voran die Politiker in den Gemeindestuben und dem Bozner Landtag endlich zum Handeln zu bewegen.
Ein weiteres und das vielleicht schon wichtigste Problem ist damit auch bereits angeschnitten: Handelt es sich bei diesem Aufschrei der Gesellschaft, Medien und Politiker wie so oft in den vergangenen Jahren um ein kurzes, schnelllebiges Strohfeuer, oder ist endlich die Bereitschaft vorhanden, eine konkrete Zielsetzung zur Bekämpfung der rechtsextremen Umtriebe im Burggrafenamt und Südtirol zu formulieren und diese auch umzusetzen?
Die teilweise überzogene und mit falschen Zahlen operierende Berichterstattung der Medien soll und kann nicht über diese Problem hinwegtäuschen. Die vielzitierte „Naturnser Hitlerjugend“ hat mit Sicherheit keine 70 bis 80 Mitglieder, wie von verschiedener Seite behauptet wurde, sondern höchstens 10-20. Die Gefahr, die von rechtsextremistisch ausgerichteten Jugendgruppen ausgeht, ist auch keine Frage der Quantität, sondern viel mehr ihrer programmatischen Ausrichtung und ihr Verhältnis zur Gewalt. Genau hier liegt der Hund begraben – diese Gruppen, die sich als „Hilterjugend“ organisieren sind weder politisch nennenswert aktiv, noch machen sie durch öffentliche Aktionen auf sich aufmerksam. Einzig und allein die Bekämpfung verschiedener unliebsamer Bevölkerungsgruppen steht im Fokus und dieses Ziel wird nicht durch politische Arbeit erreicht, sonder ausschließlich mit Gewalt.
Gefordert ist nun nicht nur die Politik, sondern auch die Gesellschaft. Künstliche Empörung und groß angekündigte Maßnahmen sind nichts wert, solange dem nicht auch Taten folgen. Viel zu lange wurde und wird die Jugend in Südtirol nur als Störfaktor empfunden. In einem Land, in dem der Tourismus eine maßgebliche Rolle für die Wirtschaft spielt scheint es keinen Platz für jugendliche Kultur und einem interessanten und umfangreiche Freizeitangebot zu geben. In vielen Gegenden Südtirols tendiert das Freizeitangebot für Jugendliche gegen Null. Die Unterstützung muss intensiviert werden. Zudem ist es unabdingbar, dass den Jugendlichen endlich Respekt entgegengebracht wird und sie an der politischen Gestalltungen des Landes teilhaben dürfen. Wie soll Jugendlichen der Wert demokratischer Werte nahe gebracht werden, wenn in Südtirol selbst die Demokratie immer wieder
mit Füssen getreten wird? Hohle Phrasen von Demokratie und Freiheit nutzen nichts, wenn sie nicht selbst gelebt werden.
Aus all diesen Überlegenungen heraus fordert die Antifa Meran endlich konkrete Projekte und Maßnahmen zu ergreifen, zu denen unter anderem gehören:
  • Die Förderung von direktdemokratischen Projekten: Jugendlichen muss der Wert von demokratisch getroffenen und legitimierten Entscheidungen gegenüber den totalitären Führerprinzip nahe gebracht werden. Hierfür ist die Organisation von Jugendlichen in basisdemokratisch organisierten Gruppen zu fördern und zu unterstützen. Dies kann auf gemeindepolitischer Ebene, in Jugendzentren oder den verschiedenen Vereinen der Fall sein. Erste wenn junge Menschen selbst aktiv Politik gestalten können und sie das Gefühl haben ernst genommen und verstanden zu werden, wird totalitären Ideen die Grundlage entzogen. Wer gelernt hat selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu leben und zu denken braucht keine Führer mehr.
  • Ein umfassendes Freizeitangebot für Jugendliche: Südtirol hinkt im Bereich der Freizeitgestaltung anderen Regionen meilenweit hinterher. Jugendliche Kultur ist vielfältig und dementsprechend vielfältig muss auch das Freizeitangebot werden. Jede Jugendkultur muss die Möglichkeit besitzen ihren Lifestyle auszuleben. Dazu gehört die Möglichkeit in geeigneten Räumlichkeiten Feste, Partys und Konzerte zu veranstalten und diese frei von Repression und Stigmatisierung in der Öffentlichkeit durchzuführen. Der Fall des „Schools Out“ in Bozen sollte hierbei mahnendes Beispiel sein. Jahrelang lag nicht das Konzert selbst im Fokus der Medien, sondern einzig und allein der Alkoholgenuss der Konzertteilnehmer. Die Jugend wurde hierbei, wie so oft in Südtirol, in Sippenhaft genommen und als versoffener Haufen dargestellt, was in keinster Weise der Wahrheit entspricht.
  • Die Förderung einer antirassistischen Jugendkultur: Immer wieder zeigt sich, dass die braunen Rattenfänger ihren Nachwuchs nicht durch politisch Überzeugungskraft gewinnen, als viel mehr durch Musik und subkulturelles Auftreten. Bestes Mittel dem entgegen zu treten ist die Förderung von nichtrassistischen Jugendkulturen, um der neonazistischen Erlebniswelt von vorneherein das Wasser abzugraben. Fällt diese zentrale Element neonazistischer Agitation weg, ist deren Attraktivität entscheiden geschwächt.
  • Erhöhte Aufklärungsarbeit und die Einführung des Faches „Politische Bildung“ an Schulen: Nicht oft genug kann die hohe Bedeutung einer guten und umfassenden Aufklärungs- und Präventionsarbeit an Schulen und sonstigen öffentlichen Einrichtungen genannt werden. Informierte und aufgeklärte Jugendliche sind weitaus immuner für neonazistisches Gedankengut, als dies uninformierte Jugendliche sind.
Abschließend bleibt einmal mehr zu erwähnen, dass es nun endlich an der Zeit die Sonntagsreden sein zu lassen und endlich aktiv zu werden, um den Neonazismus und Faschismus endgültig in die Geschichtsbücher zu verbannen. Denn: Dem Aufschrei müssen Taten folgen!

sabato 4 luglio 2009

Proteste gegen den G8-Gipfel laufen an

Ab dem 6. Juli wird in L'Aquila das zynischste G8-Treffen aller Zeiten stattfinden. Obwohl in Maddalena die Arbeiten schon im Gange waren, hat die Berlusconi Regierung der „vom Erdbeben verursachen Notfall“ in kluger Weise ausgenutzt, um die gesamte Organisation des G8 auf dem Festland zu versetzen.


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Dal 6 luglio L'Aquila sarà attraversata dal più cinico Summit G8 che la storia ricordi. Nonostante i lavori nella Maddalena fossero già stati avviati, il Governo Berlusconi ha abilmente deciso di sfruttare "l'emergenza terremoto" spostando l'intera macchina organizzativa del G8 nel territorio aquilano colpito dal sisma.

Leggi tutto su g8.italy.indymedia.org

venerdì 3 luglio 2009

Kundgebung zur Unterstützung des iranischen Volkes - am 3. Juli um 20.00 Uhr in Bozen

Mit großer Besorgnis verfolgen wir die Bilder und Nachrichten von den gewaltsamen Repressionen gegen Frauen, Jugendliche, Journalisten, Intellektuelle, KünstlerInnen, einfache Bürger, die gegen den mutmaßlichen Wahlbetrug protestieren.

Die Südtiroler Bevölkerung kann nicht teilnahmslos bleiben angesichts dieser Verletzungen der Menschenrechte und der Demokratie.

Aus diesem Grunde appellieren wir an alle Institutionen, Vereine, Bürgerinnen und Bürger, sich zu aktivieren, um die Massenbewegung, die freie Neuwahlen, die Freilassung aller Verhafteten, die Beachtung der Menschenrechte, Meinungs-, Versammlungs- und Informationsfreiheit sowie der Respekt jeglicher kultureller, politischer und religiöser Einstellungen, Meinungen und Überzeugungen fordert, zu unterstützen.

Wir ersuchen daher alle, die iranischen Zivilbevölkerung mit der Unterzeichung dieses Appells und der Teilnahme an der Friedensdemonstration am Freitag, 3. Juli um 20.00 Uhr auf der Talferbrücke zu unterstützen und Solidarität zu bekunden, und dabei am Eisengeländer Botschaften und Zeichen dieses "grünen und gewaltfreien" Protestes anzubringen.

Die Demonstration startet um 20 Uhr vor der Universität-ex-Museion und endet auf den Talferwiesen, wo um 20.30 Uhr die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, im Rahmen des Festivals Volxfest/a eine kurze Ansprache halten wird.


Promuovono: /Veranstalter:

Associazione Nedaye Iran Bz, Fondazione Alexander Langer Stiftung Bz

Radio Tandem Bolzano, Associazione Culturale Tandem Kulturverein Bolzano

Café Plural, Associazione Kaleidoskopio, Frauen Archiv/Archivio storico delle donne BZ

Per aderire/Um den Appell zu untersützen, bitte E-Mail an: info@alexanderlanger.org

Die Eintragungen und Unterstützungserklärungen werden

auf der Homepage www.alexanderlanger.org aktualisiert.

Le adesioni saranno aggiornate sul sito www.alexanderlanger.org.

giovedì 25 giugno 2009

Aufklärung, aber keine einseitige Darstellung

MEDIENMITTEILUNG | Die Autonome Antifa Meran begrüßt den Einsatz des Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit, Sven Knoll, für die Jugendlichen, denen im Zuge der Vorfälle auf der Lahn/Obermais großes Unrecht widerfahren ist. Leider fällt die Interpretation jedoch etwas einseitig aus.
Die von Knoll heute vorgelegten Beweise und die geschilderte Darstellung decken sich mit den Aussagen, welche uns von mehreren AugenzeugInnen zugetragen wurden. Sowohl das ungemein gewalttätige Vorgehen während des Einsatzes wie auch die Übergriffe und verbale Attacken in den Kasernen wurden uns durch die Betroffenen selbst bestätigt.
„Dies alles ergibt zusammen mit der Ausführungen von Knoll ein rundes Bild, welches in direktem Gegensatz zu den Beteuerungen der Carabinieri steht.“, so Joachim Staffler, Sprecher der Autonomen Antifa Meran. Absolut unverständlich ist es daher, warum die Staatsanwaltschaft – anstatt den Vorwürfen nachzugehen – Anklage gegen Knoll erhebt.
Abgesehen davon wäre es aber falsch, die Auseinandersetzungen in Obermais auf einen politisch-ideologischen Konflikt zwischen der deutschen und italienischen Sprachgruppe zu reduzieren. Es entspricht nicht den Tatsachen, dass diese durch den Gebrauch der deutschen Muttersprache entstanden sind, wie die Schilderungen der Süd-Tiroler Freiheit unterstellen. Sollten dieses Recht überhaupt geltend gemacht worden sein – was durchaus möglich sein kann – so hatte dies mit den Ursachen der Auseinandersetzung gewiss nichts zu tun.
Vielmehr bringt diese Interpretation eine gefährliche Wendung in die Ereignisse, die aus einer spontanen Situation entstanden sind und durch das brutale Vorgehen der Carabinieri verstärkt wurden. „Wenn der Konflikt zwischen den Jugendlichen und den Polizeikräften zu einem ethnischen gemacht wird, kann sich das äußerst negativ auf den weiteren Verlauf auswirken. Dass dies nicht im Interesse der angeklagten Jugendlichen liegt, muss sich Knoll bewusst sein.“, so Staffler weiter.
Die Autonome Antifa Meran fordert eine neutrale und unabhängige Aufdeckung der Vorfälle sowie sofortige Konsequenzen für jene Beamten, welche für die gewalttätigen Übergriffe verantwortlich sind. Politische Interessen müssen dabei unbedingt herausgehalten werden.

mercoledì 24 giugno 2009

Polizeigewalt: ein globales Problem

Die Vorfälle in Obermais/Meran zogen im Nachhinein weite Kreise und werden mittlerweile sogar im Landtag thematisiert. Erstmals seit Langem wird dem Thema Polizeigewalt und Machtmissbrauch der Sicherheitskräfte in Südtirol dermaßen hohe Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Medien zuteil.
Wie sich die gesamte Geschichte rund um die Ereignisse in Obermais entwickelt, werden die nächsten Tage zeigen. Eines kann jedoch bereits jetzt festgehalten werden – weder ist Polizeigewalt ein ausschließliches Phänomen des italienischen Staates an sich, noch lässt sich diesem Problem durch die Polizeiautonomie für Südtirol beikommen. Machtmissbrauch lässt sich nicht durch eine Verlagerung der Kompetenzen beseitigen, sondern durch einen umfassenden Opferschutz und die Möglichkeit, ohne Angst vor Repression gegen etwaige Ungerechtigkeiten vorzugehen.
Fälle von Polizeiwillkür gibt es auch in anderen Ländern zur Genüge, so etwa in Österreich. Bereits im Mai berichteten wir von den Vorfällen rund um die 1. Mai Demonstration in Linz, bei der sich die Polizei durch brutales Vorgehen und willkürliche Verhaftungen hervortat.
Das Nachspiel zur Demonstration verlief für so manchen Demonstranten anders als erwartet. So wurde ein 29 jährige Vater von zwei Kinder wegen diverser Vorwürfe angeklagt. Unter anderem wurde ihm vorgeworfen vermummt Polizisten angegriffen, sich der Verhaftung widersetzt und wild um sich geschlagen und getreten zu haben. Dummerweise für die beteiligte Polizei konnte der Anwalt des Angeklagten ein Video vorlegen, das beweist, dass sämtliche Anschuldigungen frei erfunden sind und mehr noch die Polizei aktiv die Eskalation suchte und auf die Demonstranten einprügelte (siehe unten).
Bereits kurz nach der Demonstration hatte es Zweifel an der Version der Sicherheitskräfte gegeben. Sechs Personen reichten offiziell Beschwerde bei den zuständigen Stellen ein. Unbeeindruck dessen rechtfertigten der oberösterreichische Landeshauptmann Pühringer und die Verantwortlichen der Linzer Polizei das Vorgehen der Polizei. Ob es für die beteiligten Beamten Konsequenzen für ihr Handeln gibt darf also bezweifelt werden.


Siehe auch: Artikel auf imzoom.info