giovedì 13 maggio 2010

Gegen die Privatisierung der Wasserversorgung!


Seit dem 24. April läuft in ganz Italien die Unterschriftenaktion zur Unterstützung der Referenden gegen die Privatisierung der Wasserversorgung.

Wasser ist ein öffentliches Gut, das keinesfalls für private Profitinteressen missbraucht werden darf. In Zukunft wird die Ressource Wasser weltweit einen noch zentraleren Stellenwert in Wirtschaft und Politik einnehmen, als dies ohnehin schon der Fall ist. Experten prophezeien, dass nicht wenige Kriege der Zukunft um Wasser geführt werden. Dies mag für Europa eher unwahrscheinlich erscheinen, doch ist es nichtsdestotrotz wichtig, dass Wasser in öffentlicher, statt in privater Hand bleibt.

Um ein Referendum überhaupt zu ermöglichen braucht es 500.000 Unterschriften. Leistet also durch eure Unterschrift einen Beitrag, damit die Menschen über diese mehr als wichtige Angelegenheit abstimmen können.

Die Unterschrift kann in der eigenen Gemeinde abgegeben werden.

mercoledì 14 aprile 2010

Zwischen Allen Stühlen - Lebenswege des Journalisten Karl Pfeifer

Filmpräsentation
1938 flüchtet Karl Pfeifer als Zehnjähriger mit seiner Familie aus Österreich, zunächst nach Ungarn. Vier Jahre später erreicht er Palästina mit einem der letzten Kindertransporte des Hashomer Hatzair. Er lebt im Kibbuz, kämpft im Israelischen Unabhängigkeitskrieg und kehrt Anfang der 50er Jahre nach Österreich zurück.
„In Österreich angekommen musste ich bei der Staatspolizei vorsprechen… Heimkehrer seien in Österreich nur die, die in der Wehrmacht bzw. in der Waffen SS gedient haben.“
Der Film begleitet Karl Pfeifer an zentrale Orte seines Lebensweges. Orte, an denen er antisemitischen Angriffen ausgesetzt war. Orte, an denen er seine politischen Einstellungen schärfte. Seinen Lebenswegen zu folgen bedeutet jedoch auch den Bahnen und Verstrickungen des österreichischen Antisemitismus zu folgen.

Termine

3. Mai 2010 - 20:30h
Bozen/Bolzano - Circolo Culturale Walter Masetti

30. April 2010 - 19h
Meran/Merano - Kunsthaus
Im Anschluss: Podiumsdiskussion

29. April 2010 - 20h
Brixen/Bressanone - Cusanus Akademie

28. April 2010 - 18h

Bozen/Bolzano - Stadtarchiv
Im Anschluss: Podiumsdiskussion zum Thema "Erinnern und Widerstand"

Homepage zum Film

venerdì 12 marzo 2010

Rechtsrock Konzert in Bozen


Am morgigen Samstag 13. März findet in Bozen in der berüchtigten "Bar8" ein Konzert mit mehreren Rechtsrock Bands statt. Wieder unter subkulturellen Klischees wird hier die Punk und Skinheadszene für den Neofaschismus als Maske genommen.

Es spielen "Green Arrows" (Bozen), "No Prisoner" (Bozen) und "Stato asociale" aus Trient.

Die Musikartbezeichnungen wie RAC (Rock against Communism) und NSHC (National Socialist HardCore) lässt einiges erschließen, genauso wie so manche zwielichtigen Freundschaften auf den Myspace-Seiten der Bands. Des weiteren weißen mindestens zwei der Bands Verbindungen zu den "Veneto Fronte Skinheads" auf.

Das ist nur eins der vielen Konzerte im Raum Bozen die unter einem Subkulturell angehauchten Deckmantel schon seit langem organsiert werden. Man kann in Bozen somit von einer organisierten, italienischen rechten Szene sprechen.

martedì 23 febbraio 2010

Dresden - Antinazidemo mit bleibenden Beigeschmack

Hier ein Bericht von einem Südtiroler der in Dresden mitblockiert hat, gegen den Naziaufmarsch - und dies mit einem gebrochenem Jochbein bezahlt hat.
Am 13. Februar war ich in Dresden mit tausenden anderen erfolgreich dabei, dem größten nazifaschistischen Aufmarsch Europas Einhalt zu gebieten. Es war nicht die Polizei, die das alljährliche Highlight der rechtsextremen Szene gestoppt hat. Es waren die Menschen, die den Mut fanden, sich den Faschisten entgegenzustellen.

Dies vorab an all jene, welche mich damit verstummen lassen wollen, dass der Staat, die Polizei, die da oben das doch regeln müssten.
Der Staat sind wir, darum liegt es an uns.

Ich erlitt an jenem Tag eine multiple Fraktur am linken Jochbein, außerdem wurden zwei meiner Zähne beschädigt.

Wie das passiert ist, möchte ich hier kurz schildern, da mich viele danach gefragt haben:

Auf dem Weg zu einer Blockade kamen mir und einigen anderen drei mit Rechtsradikalen beladene Busse entgegen. Als wir sahen, dass die Busse an einer roten Ampel halt machten, beschlossen wir, eine Menschenkette zu bilden, um die Busse am Weiterfahren zu hindern. Wir verhielten uns dabei friedlich und waren weder vermummt noch sonst irgendwie aggressiv. Ich muss hinzufügen, dass man das von verschiedenen Autonomen, die nicht Teil unserer Gruppe waren und für kurze Zeit (vielleicht 10-20 sec.) den Bus attackierten, um dann wieder abzuhauen nicht behaupten kann.

Nach dem verschwinden jener Personen stiegen einige der Rechtsradikalen aus. Insbesondere einer von ihnen schlug wahllos wie wild um sich. Als dieser sah, wie ich versuchte ihn dabei zu fotografieren, drehte er vollends durch, zertrümmerte einen Filter, den ich glücklicherweise auf meinem Kameraobjektiv hatte und schlug mir danach ins Gesicht.
Nachdem diese rechtradikalen Personen den Weg für den Bus wieder frei geschlagen hatten, stiegen sie ein und fuhren davon.
Ich setzte mich in der Zwischenzeit ziemlich benommen auf einen Bordstein und spürte, dass sich meine linke Gesichtshälfte schmerzhaft nach innen gebogen hatte.
Die Rettung brachte mich zuerst in ein Spital. Dort wurde ich mit dem Spruch, -es gäbe auch Leute, die wirklich krank wären- abgefertigt und über eine Stunde unbeachtet auf den Gang gestellt.
Schließlich erbarmte sich eine Röntgenärztin meiner und entdeckte, dass ich –mit einen multiplen Splitterbruch im Gesicht- doch nicht ganz so gesund sein konnte.
Daraufhin wurde ich ins Dresdner Uniklinikum gebracht. Der dortige Arzt bat mich an der Klinik zu bleiben, weil meine multiple Splitterfraktur operiert werden musste.
Da ich allerdings u.a. die Rückfahrt nach Wien, wo ich studiere, selbst bezahlen hätte müssen, alles was in Dresden gemacht wurde finanziell noch nicht abgedeckt war(und ist), weil ich meine Gesundheitskarte nicht dabei hatte, bat ich den Arzt, mich an das Wiener AKH zu überweisen bzw. mich selbständig dort hinfahren zu lassen.
Bevor ich mit dem ÖH-Bus nach Wien zurück fuhr, begab ich mich noch in Dresden auf eine Polizeistation und erstattete Anzeige. Trotz der Tatsache, dass wir das Nummernschild des Busses erkennen konnten und ich zumindest einige wenige Fotos von meinem Aggressor hatte machen können, versicherte mir der Beamte insgeheim, das nicht sonderlich viel passieren würde.
SELBST SCHULD, WENN MAN DIE WELT ÄNDERN WILL.
Nachdem wir die Nacht über nach Wien gefahren waren, wurde ich am 14.02 im Wiener AKH aufgenommen.
Dort wurde ich an meinem Geburtstag, Dienstag den 15., operiert. Mir wurden dabei zwei Stück feinstes chirurgisches Titan ins Gesicht geschraubt. Der Zugang dazu erfolgte über einen Schnitt zwischen Zahnfleisch und Oberlippe und einem weiteren Schnitt an der Augenbraue sowie an der Wange.
Insgesamt habe ich acht Tage im Krankenhaus verbracht, werde das nächste halbe Jahr wohl noch öfter vorbeischauen müssen, mir zwei Zähne „richten“ lassen und einen nicht ganz so kleinen Teil der Behandlungen auf meine Kappe nehmen müssen…

Ob ich mich wieder vor diesen Bus stellen, immer noch so klar Flagge bekennen würde?

Ja.
Warum? Weil so viele andere es nicht tun würden und es dadurch umso notwendiger ist.

Abschließend noch Folgendes:

Nicht ich habe durch meine Verletzung bei einer friedlichen Blockade bewiesen, was für Personen in diesem Bus waren. Sie selbst waren es, die durch ihre Handlungen gezeigt haben, welchen Geistes Kind sie sind.
ABER der Rechtsradikalismus ist nur eines von vielen Symptomen dafür, dass in unserer Gesellschaft etwas schief läuft.
Er reiht sich ein neben der Gleichgültigkeit, der Fetternwirtschaft, dem Sozialdarwinismus, den religiösen Hetzen, der Homophobie aber auch des Politikverdrusses und dem allgemeinen Desinteresse, an der Gesellschaft Teil zu haben. Jeder Einzelne sollte sich DAS vor Augen halten.
Der Rechtsradikale, der mein Gesicht um ein paar Metallplatten bereichert hat, ist nur Symptom, Wirkung einer tiefgreifenderen Ursache.
Die Welt ist nicht einfach so wie sie ist.
Jeder Einzelne von uns ist Teil davon. Und jeder von uns trägt damit die Verantwortung sich ihrer Wirklichkeit zu stellen.

In einigen Monaten gibt es südtirolweit Gemeinderatswahlen; ich werde da sein. Ich hoffe ihr auch.


An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei allen bedanken, die mir in Dresden sowie in Wien und Südtirol sehr zur Seite gestanden haben.

von Gabriel Sigmund

martedì 16 febbraio 2010

Krise & Widerstand: La INNSE di Lambrate - 26.2., Ost West Club


Im Jahre 2007 wurden die ersten Vorboten einer großen Wirtschaftskrise deutlich und heute, drei Jahre später, kämpft das kapitalistische System immer noch mit sich selbst: Selbst jene ÖkonomInnen, welche einen nahen Aufschwung prognostizieren, warnen gleichzeitig, dass damit eine weitere Insolvenz- und Kündigungswelle auf Unternehmen und Lohnabhängige zukommt. Schon jetzt ist klar, dass die Hauptleidtragenden die Zweitgenannten sind - das Fragezeichen bei dem Satz "Was tun?" scheint im Angesicht der Krise noch viel größer. Parteien und Gewerkschaften, die im Allgemeinen schon mit einer Krise der Repräsentation zu kämpfen haben, sind auf der linken Seite noch stärker angeschlagen.
Doch es gibt auch kleine Lichtblicke: Als Ende Mai 2009 den 50 Beschäftigten der metallverarbeitenden INNSE, die im Norden von Mailand angesiedelt ist, die Fabriksschließung mitgeteilt wurde, nahmen sie dies nicht kampflos hin: Sie besetzten den Betrieb, führten die Arbeit mehrere Monate lang selbstorganisiert fort. Nach 14 Monaten heftigen Tauziehens drohte die entgültige Schließung - doch vier von ihnen zogen mit einer außergewöhnlichen Aktion die Aufmerksamkeit des ganzen Landes auf ihren Kampf und konnten so schließlich einen Sieg erringen. Dieser Arbeitskampf und, etwas allgemeiner, der Widerstand in der Krise, werden die Themen am 26. Februar 2010 im Ost-West-Club Meran sein.

Programm (ab 20 Uhr)
  • Vorführung der Dokumentation "La Innse di Lambrate - Appunti di una storia di lotta" von Silvia Tagliabue, 2009, 73 min (italienisch)
  • Kurzreferat zu den Hintergründen von Andreas Fink
  • Kurzreferat zu Gewerkschaft und Krise in Südtirol von einer/m Gewerkschaftsvertreter/in (angefragt, Infos folgen)
  • Diskussion

Bitte diese Ankündigung weiterleiten und bei Interesse vorbeikommen, Eintritt natürlich frei, nähere Infos unter antifa-meran@hotmail.com

sabato 13 febbraio 2010

Rock the Lahn- Ermittlungen gegen Carabinieri werden eingestellt

Im vergangenen Juli 2009 kam es nach Ausschreitungen zwischen Jugendlichen und Carabinieri zu fünf Verhaftungen. AugenzeugInnen berichteten damals von einem unerwartet brutalen Vorgehen der Polizeikräfte, die Schlagstöcke und Fäuste einsetzten. Diese wurde auch später von den Verhafteten selber bestätigt.
Wir berichteten: KLICK
















Die Dolomiten vom 8.02.10 schreibt, dass bis jetzt keine Beweise für das gewaltsame Vorgehen der Staatsdiener ans Tageslicht gekommen sind. Das von Sven Knoll der "Südtiroler Freiheit" vorgelegte "Beweismaterial" soll scheinbar nicht verwertbar gewesen sein. Nach sieben Monaten Ermittlungen hat der Staatsanwalt Axel Bisignano beschlossen den Fall zu den Akten zu legen. Aufrecht bleiben hingegen noch die Anzeige wegen übler Nachrede gegen Sven Knoll.

Mit einem Blick auf das Bild, und der bleibenden Frage inwiefern und wie gründlich es interne Ermittlungen der "Hüter des Gesetzes" gegeben hat, verbleiben wir hier mit einem Kopfschütteln und einem großen Fragezeichen.

domenica 31 gennaio 2010

No Pasaran – auf nach Dresden

Am 13.02.2010 werden sich erneut tausende Neonazis und Rechtsextremisten aus ganz Europa zum sog. „Trauermarsch“ in Dresden einfinden. Die Bombardierung der Stadt im Jahr 1945 durch die Alliierten wird dabei zum Anlass genommen die nationalsozialistische Ideologie wieder salonfähig zu machen und Geschichtsrevisionismus zu betreiben.

Der „Trauermarsch“ hat sich mittlerweile zum grössten neonazistischen Ereignis Europas entwickelt und besitzt eine hohe Symbol- und Integrationsfunktion für die extreme Rechte

Nachdem die Gegenaktivitäten der letzten Jahre nicht zu einer nennenswerten Störung des Aufmarsches führten wurde das Konzept der Gegenaktivitäten grundlegend überarbeitet. An die Stelle von verschiedenen Demonstrationen wird auf Massenblockaden und zivilen Ungehorsam gesetzt. Erstmals gibt es eine geschlossene Mobilisierung von zivilgesellschaftlichen Akteuren, NGOs, Antifa Gruppen, Parteien, Gewerkschaften, Vertretern der Kirche etc.

Zehntausende Menschen werden zusammen solidarisch und entschlossen den Aufmarsch der Neonazis blockieren und hoffentlich verhindern. Der Aktionskonsens lautet dabei, dass alle Akteure der Blockaden solidarisch zusammenstehen, keine Gewalt anwenden und der Polizei keinen Vorwand für eine Eskalation zu liefern.

Damit dieses Konzept auch aufgeht ist es wichtig möglichst viele Menschen nach Dresden zu mobilisieren. Seit Monaten läuft in Deutschland eine breite Mobilisierung, die durch die jüngsten Razzien in mehreren deutschen Städten gegen das Bündnis „Nazifrei – Dresden stellt sich quer!“ an Dynamik gewonnen hat. Auch aus dem europäischen Ausland werden zahlreiche Demonstranten erwartet.

Für alle Südtiroler, die sich an den Gegenaktivitäten in Dresden beteiligen wollen, ist es am sinnvollsten die Busverbindung von Innsbruck aus zu nutzen. Von dort wird ein kostenloser Bus nach Dresden fahren, womit eine bequeme und sichere An- und Abreise garantiert ist. Der Startzeitpunkt ist noch nicht fixiert, wird aber um 04:00 – 05:00 Uhr in der Früh liegen. Bis zum 05.02 ist es noch möglich sich für den Bus anzumelden, vorausgesetzt es sind bis dahin noch Plätze frei.


Für eine Anmeldung kann mensch sich an uns oder direkt an die Organisatoren des Busses (mere@oeh.ac.at) wenden.


No Pasaran – sie werden nicht durchkommen!


Alle auf nach Dresden!

Internetseite des Bündnis „Nazifrei – Dresden stellt sich quer!“

http://www.dresden-nazifrei.com/






sabato 12 dicembre 2009

Neofaschisten in Bozen- Bilanz

[akt. am 14.12.] Während es zu laufenden Festnahmen (und dementsprechender medialer Aufmerksamkeit) in der Südtiroler Neonaziszene kommt, breitet sich über die rechte Szene in Bozen ein Mantel des Schweigens. Zu unrecht: Neben den beiden Bars "Otto" und "LaDestra" haben sich mit dem Verein "CasaPound Bolzano" und der Bücherei "CasaItalia" nun zwei weitere neofaschistische Institutionen gefestigt.

Des weiteren etabliert sich die in Bozen produzierte Kleidermarke "Revolt Italy", immer mehr zu einer Trendmarke in der italienischen Neonaziszene in Südtirol. Die Marke weist bei anfänglichen Betrachten keine besonderen Bezugspunkte zum Rechtsradikalismus auf. Sie bezieht sich auf die "Working Class" Kids der 70er und 80er Jahre in England , so im Beschreibungstext auf der Homepage. Gemeint ist mit großer Wahrscheinlichkeit die florierende Skinheadszene in dieser Zeit. Die Marke selbst repräsentiert laut ihnen, ihren eigenen Lebensstil. Folgendes Video von youtube zeigt einige bekannte Gesichter der Südtiroler Szene, auch einige Kommentare darunter sind zu beachten.
Video

(Link: http://www.revoltitaly.com/ ).


Auch die rechte Musikszene in Bozen wächst. Die "National Socialist HardCore" Band "No Prisoner" ist neben der sog. "Punk" Band "Lamones" - eine weitere Band mit rechtsradikalen Tendenzen um Bar-Otto-Chef Bonazza. "No prisoner" treten mit bekannten Rechtsrock Bands wie Civico88, Hate for breakfast usw. auf. Interessant auch, die Freundschaftsverknüpfungen der Bands auf Myspace quer durch die Neofaschistischen Misthaufen. http://www.myspace.com/noprisonerhc


Beunruhigend sind diese Entwicklungen gerade desshalb, da die "neuen Faschisten" sehr viel auf subkulturelle Aspekte zurückgreifen. Musik und Kleidungstil von Punks, Skins, Rockabillys, Metallern usw. ist schnell kopiert und missbraucht, politisiert. Auch finden solche Konzerte in der Bar8 statt. Von außen gesehen, eher harmlos. doch Besonders jüngere Jugendliche werden sou schnell für die rechte Szene geködert und gewonnen. Alles verschleiert hinter einem subkulturellen Deckmantel wird hier oft die Gefahr unterschätzt, die von diesen Personen ausgeht.

Warum hier von den Behörden nichts unternommen wird, und bei den deutschen Nazis schon, ist unverständlich. Angesichts der großen Anzahl an UnterstützerInnen und SymphatisantInnen der rechtsextremen Bewegung, die sich um die "Bar 8" und Andrea Bonazza gebildet hat, muss dies mehr als bedenklich stimmen. Zu Recht nennen sie sich "Faschisten des 3. Jahrtausends", präsentieren sie doch alte Ideen in gänzlich neuen Schläuchen. An der barbarischen Kernsubstanz dieses Denkens ändert dies freilich nichts.
Ein Blick auf die Facebook-Seite von Bonazza, der sich dort unter "barotto andrea" registriert hat, lässt aufhorchen: 1.700 FreudInnen weist sein Profil auf. Freilich spiegelt dies nicht die Realität wider, doch kann es mit gutem Gewissen als Indikator für die Beliebtheit dieser Bewegung herangezogen werden. Und es ist auch so manch einer darunter, den eins nicht dort vermutet hätte - wie Davide Orfino, eigentlich Exponent des PdL in Sterzing.
Dass gegen faschistische Ideen bloßes Moralisieren und Mit-dem-Finger-Zeigen wenig nützt, ist auch klar. Weder ein Strache noch ein Graf lassen sich bekämpfen, indem wieder und wieder ihre neonazistischen Verstrickungen aufgezeigt werden und "Nazi, Nazi" gerufen wird. Dementsprechend ist nach den strukturellen Bedingungen zu fragen, welche die Anziehungskraft dieses Gedankenguts nähren. Bei denen, die an den Hebeln der Macht sitzen, wäre es schon ein guter Anfang, wenn sie endlich die Augen aufmachen würden.

martedì 24 novembre 2009

Hast du auch eine lustige, kreative oder interessante Idee ein politisch aktuelles Thema grafisch darzustellen? Dann her damit! Die Arbeiten werden auf dem Blog veröffentlicht.
Bilder an: antifa-meran@hotmail.com

mercoledì 18 novembre 2009

International - Antifa-Aktivist in Moskau ermordet

Moskau. Der bekannte Moskauer Antifaschist Iwan Chutorskoi ist Montagabend im Eingang seines Hauses tot aufgefunden worden. Er wurde mit zwei Schüssen in den Nacken ermordet. Spuren führen in die Neonazi-Szene.


Vor dem Mord vor ein paar Tagen waren bereits drei Mordversuche an Iwan verübt worden. 2005 wurde Iwan von Nazis überfallen, die ihm seinen Kopf zerschnitten. Ein weiteres Mal überlebte er nur durch ein Wunder, als ihm Nazis im Hauseingang auflauerten und mit einem Schraubenzieher zahlreiche schwere Verwundungen im Halsbereich zufügten. Im Januar dieses Jahres überlebte er wiederum nur knapp einen Messerstich in den Bauch, den er bei einem Straßenkampf mit Nazis erhielt.
Iwan war in der Antifa Szene trotz den Mordversuchen
noch aktiv und organisierte zahlreiche Veranstaltungen und unter anderem auch Selbstverteidigungskurse.

In Moskau ist dies bereits der sechste Mord an Antifaschisten durch militante Rechtsextreme. Im April 2006 starb der 19-jährige Alexandr Rjuchin an Messerstichen, im März 2008 wurde bei einem Messerangriff Alexej Krylow getötet, im Oktober 2008 wurde Fedor Filatow, ein Anführer antifaschistischer Skinheads, neben seinem Hauseingang ermordet und am 28. Juni 2009 starb der Antifaschist Ilja Dshaparidse bei einem Überfall der Rechtsextremisten.

Die Lage in Russland ist ziemlich besorgniserregend. Immer wieder werden Menschen die nicht in das Weltbild der Nazis passen, zusammengeschlagen, verfolgt und getötet.

giovedì 12 novembre 2009

Schlag gegen NHJ - Naturnser Hitler Jugend

Die Polizei hat gestern Vormittag im Raum Naturns eine Aktion gegen Rechtsextremismus, der sogenannten Neue Hitlerjugend, durchgeführt. Der 19-jährige Dominik Fabian Defatsch aus Naturns wurde dabei verhaftet und weitere 16 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 26 Jahren wurden angezeigt. Neun Personen davon sind noch minderjährig:

Die 17 Neonazis:
Dominik Fabian Defatsch, 19, Naturns - ihm wird vorgeworfen der Kopf der Bande zu sein.
P. B., 22, Naturns
Daniel Kainz, 19, Naturns
Andreas Platzgummer, 21, Naturns
Patrick Kofler, 26, Plaus

Patrick Mitterhofer, 22, Naturns
Andreas Ratschiller, 18, Plaus
David Lechner, 18, Partschins
M. H., 16, Naturns
A. H., 16, Naturns
D. S., 17, Naturns
M. B., 15, Naturns
F. H., 15, Naturns
M. W., 16, Naturns
P. L., 17, Naturns
S. K. 17, Plaus

Insgesamt waren 60 Polizisten bei Hausdurchsuchungen im Einsatz. Dabei wurden mehrere Computer und Handys mit angeblich nazistischem Material sichergestellt. U.a. fanden die Ermittler weitere Mitgliedsausweise mit der Aufschrift „88 HJN 88“. 88 steht für Heil Hitler, HJN für Hitlerjugend Naturns. Auf einen solchen Ausweis war die Digos bereits im Oktober 2008 bei einer Routinekontrolle in Naturns gestoßen. Der Beginn der Ermittlungen, die Querverbindungen zur „Operation Odessa“ gegen weitere Burggräfler jugendliche Neonnazis aufweist.


HIER geht es zum ausführlichen stol Artikel, mit Video.

HIER ein Bericht der Antifa Meran über die Gewaltbereitschaft der NHJ vom Mai 2008.

HIER ein Artikel über die NHJ vom Juli 2009.

HIER ein Bericht der Südtiroler Tageszeitung vom September über die Naturnser Nazis.


quellen: http://www.suedtirolnews.it/d/artikel/2009/11/11/neue-hitlerjugend-eine-verhaftung-und-16-personen-angezeigt.html
http://www.stol.it/Artikel/Chronik/Lokal/Naturnser-Hitlerjugend-19-Jaehriger-verhaftet

lunedì 9 novembre 2009

Die Welt als ewige Weltverschwörung

Ein kurzer Exkurs über die Genese und zunehmende Popularität von Verschwörungstheorien in Krisenzeiten.

Seit Herausbildung der Herrschaft des Menschen über den Menschen gibt es Verschwörungen. Sie bilden eine der ältesten Techniken zur Eroberung und Aufrechterhaltung von Macht. Schon die ersten Herrscher von Stadtstaaten im Zweistromland etwa ursupierten oftmals den Thron vermittels einer Verschwörung – und sie lebten in permanenter Angst vor einer gegen sie gerichteten Verschwörung. Folglich spekulierten seit Anbeginn der Herrschaft die Beherrschten über die Ränkespiele am Hofe, über die Absichten der jeweils herrschenden Kaste. Mensch kann somit sagen, dass diese Spekulation der Untertanen über die Machenschaften am hermetisch abgeschlossenen Hofe, über die Ziele, Strategien und „Verschwörungen“ der Herrschenden so alt ist wie die Herausbildung der städtischen Zivilisation selbst.

Selbstverständlich werden auch in der jüngsten Geschichte - sicher auch in der Gegenwart - Verschwörungen ausgeheckt. Als Beispiel käme etwa der Putsch gegen Salvador Allende 1972 in Frage oder die Verschwörung des 20. Juli 1944, als Wehrmachtoffiziere versuchten, Hitler durch einen Bombenanschlag zu eliminieren. Selbst die Vorarbeiten zur Durchsetzung der HartzIV-Reformen in Deutschland, oder auch die mit Lügengeschichten forcierte Mobilisierung für den Irak-Krieg nahmen bei bestimmten Machtgruppen und Zirkeln der US-Administration einen verschwörungsartigen Charakter an. Auch heutzutage bemühen sich Menschen, den Machenschaften der Herrschenden auf die Schliche zu kommen. So könnte man etwa die Journalisten, die den Watertgate-Skandal aufdeckten, als Verschwörungstheoretiker bezeichnen, da sie ja im Rahmen ihrer Recherchen tatsächlich eine Theorie dieser Verschwörung aufstellen mussten, um sich an Hand der von ihnen ermittelten Indizien der Wahrheit anzunähern.
Mit dieser beim Mainstream-Journalismus längst in Vergessenheit geratenen Aufklärungsarbeit hat aber die rastlose, manische und pathologische Suche nach Verschwörungen, die heutzutage üblicherweise mit dem Begriff des Verschwörungstheoretikers assoziiert wird, nicht viel gemein. Diese Menschen leisten keinerlei Theoriebildung, sie befinden sich im Bann einer Ideologie. Um hier die nötige begriffliche Trennschärfe einzubringen, sollen diejenigen Personen und Gruppen, die von der unaufhörlichen Suche nach Verschwörern und Verschwörungen besessen sind, fortan als Verschwörungsideologen bezeichnet werden. Der Verschwörungsideologe bemüht sich, hinter allen möglichen gesellschaftlichen Missständen oder auch nur Phänomenen und Entwicklungen (Irak-Krieg, Weltwirtschaftskrise, Schweinegrippeimpfung, 9/11, Jörg Haiders Unfalltod etc.) das Wirken einer Verschwörergruppe aufzudecken; für ihn ist die Welt eine einzige Weltverschwörung. Negative Auswirkungen kapitalistischer Vergesellschaftung – wie Elend oder Krieg - werden auf das böse Treiben einer verschworenen Gruppe böser Menschen zurückgeführt.

Ursprünge des Verschwörungsglaubens

Ihre Ursprünge haben Verschwörungsideologien also mitnichten in dem gesunden Misstrauen, dass beispielsweise der mittelalterlicher Bauer seinem Feudalherrn oder dem Pfaffen entgegen brachte. Der Glaube an das gesellschaftliche Wirken einer allmächtigen Verschwörergruppe bildete sich erst im Zeitalter der Aufklärung, im 18. Jahrhundert, heraus. Noch heutzutage sind die Verschwörungsideologen davon überzeugt, mit ihrem Wirken der „Aufklärung“ Vorschub zu leisten. Ironischerweise haben die auch als „Truher“ bezeichneten Gruppen und Zusammenhänge damit sogar ein Körnchen Wahrheit erfasst, denn der Verschwörungsglaube bildet tatsächlich einen Teil der „dunklen Seite“ des historischen Prozesses der Aufklärung. Zentral in dieser Hinsicht ist die im 17. und 18. Jahrhundert Epoche machende Entdeckung, dass nicht Gott, sondern „die Menschen“ ihre Geschichte machen.
„Seit je hat Aufklärung im umfassendsten Sinn fortschreitenden Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. … Das Programm der Aufklärung war die Entzauberung der Welt. Sie wollte die Mythen auflösen und Einbildung durch Wissen stürzen.“ So fassten Adorno und Horkheimer in den ersten Sätzen ihrer Dialektik der Aufklärung den Prozess der Aufklärung zusammen. Der Mensch tritt an die Stelle Gottes als Herr seiner Geschichte, seines Lebens, seiner Gesellschaft. Der menschliche Wille tritt an die Stelle der „göttlichen Mächte“, die zuvor als Triebfedern gesellschaftlicher Veränderung und natürlicher Ereignisse Angesehen wurden.
Sobald Gott nicht mehr als die allumfassende Deutungs- und Rechtfertigungsinstanz der Gesellschaft firmiert, verliert auch die religiöse Konnotation beim Verschwörungswahn ihre Bedeutung – dieser unterliegt einem Prozess der Säkularisierung. Die der Verschwörung bezichtigten Menschen sind nicht mehr mit Satan oder Dämonen im Bunde, um eine gottgewollte Ordnung zu erschüttern, sondern mit sich selbst. Hier, im Hexen- und Dämonenwahn, haben die Verschwörungsideologien ihre eigentlichen historischen Wurzeln: Ob es das Wüten der Inquisition in Spanien oder die Hexenverbrennungen der frühen Neuzeit waren, auch hier wurden stets negative Erscheinungen mit den Wirken bestimmter Menschengruppen in Zusammenhang gebracht. Der große Unterschied zur heutigen Zeit war nur, dass diese Menschen angeblich mit jenseitigen Kräften - dem Teufel oder bösen Geistern – im Bunde zu stehen schienen, oder als deren Agenten fungierten.
Die Aufklärung bringt somit auch den Modernen Verschwörungsglauben zur Ausformung. Tatsächlich waren die ersten Objekte einer Verschwörungstheorie erklärte Aufklärungsfeinde. Im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert war insbesondere im angelsächsischen Raum und unter französischen Aufklärern die Vorstellung einer allgegenwärtigen jesuitischen Verschwörung weit verbreitet. Eine ihrem Wahnbild adäquate, recht amüsante literarische Ausgestaltung fand diese erste aller Weltverschwörungfantasien beispielsweise in dem Roman „Mason and Dixon“ des amerikanischen Schriftstellers Thomas Pynchon.
Da aber im Verlauf des Aufklärungsprozesses die gesamte Welt „entzaubert“ wird, tritt nicht nur der menschliche Wille an die Stelle des Wirkens göttlicher oder dämonischer Kräfte; auch das Verständnis der Gesellschaft unterliegt einem Prozess der Säkularisierung. Das Bürgertum als Träger des Aufklärungsprozesses propagiert die Errichtung einer Gesellschaftsformation, die gemäß einer „naturgemäßen Ordnung“ eingerichtet ist. Der sich in der frühen Neuzeit ausprägende Kapitalismus wird von der Aufklärung als eine natürliche, dem menschlichen Wesen adäquate Gesellschaft aufgefasst. Die Aufklärung fungierte ja innerhalb des Konkreten historischen Emanzipationsprozesses des Bürgertums auch als ideologische Waffe im Kampf gegen die Privilegien des Adels.
Ein Naturrecht, die daraus abgeleiteten, „natürlichen“, unteilbaren Menschenrechte, die Gleichheit vor dem Gesetz und die Vertragsfreiheit ließen die auf Adelsprivilegien fußende spätfeudale Gesellschaftsformation als „widernatürlich“ erscheinen. Die vernünftige Einrichtung der Gesellschaft ist laut dem bürgerlichen Aufklärungsbegriff immer die naturgemäße Einrichtung der Gesellschaft. Ein konkreter historischer Entwicklungsabschnitt menschlicher Geschichte – der Kapitalismus – wird von der bürgerlichen Aufklärung im Rahmen eines konkreten historischen Klassenkampfes zu einer naturgemäßen Voraussetzung menschlicher Existenz schlechthin erklärt.

Laut der bürgerlichen Aufklärung gibt es folglich nur noch den menschlichen Willen und die „natürliche Ordnung“ als Festen Bezugsrahmen zu Deutung gesellschaftlicher Phänomene. Nur noch der Wille des Menschen und Naturkräfte scheinen an der Ausformung unserer Welt beteiligt zu sein. Somit wäre die Welt von jeglichem Aberglauben befreit. „Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils,“ um den letzten Satz aus dem ersten Absatz der Dialektik der Aufklärung zitieren. Unsere „natürlich“ und folglich „vernunftsgemäß“ eingerichtete Welt ist trotzdem voller Widersprüche: voller Krieg, Tod, Elend und Hunger. Da übernatürliche Instanzen als Verursacher dieser ungeheuren Verwerfungen nicht mehr in Betracht kommen, kann der Verschwörungsideologe nur noch nach einer Gruppe von Menschen suchen, deren böser Wille für die Störung unserer „naturgemäß“ und „vernünftig“ eingerichteten Welt verantwortlich sein soll.
Die Verschwörungsideologen wollen seit der Neuzeit, durchaus zu Recht, hinter die Institutionen und gesellschaftlichen Phänomene blicken, die sie nicht verstehen. Sie hintertreiben diesen ersten Impuls aber dadurch, dass sie dieses „Dahinter“ doch nur wieder in konkreten Personen, „Strippenziehern“ und mächtigen Gruppen vorstellen können, die sie aus der Welt der gegebenen Institutionen bereits kennen. Die Verschwörungsideologen wollen eine „Politik hinter der Politik“ demaskieren, die von verschworenen Zirkeln betrieben werden soll. Folglich waren es zumeist Mitglieder von Geheimgesellschaften – wie der Freumaurer und vor allem der bereits 1785 zerschlagenen, radikaldemokratischen Illuminati - die dieses Wahnbild einer Schicht von tatsächlich Herrschenden „hinter“ den Herrschern ausfüllten. Schon 1798 stellten reaktionäre Kreise beispielsweise die These auf, dass die Illuminati entscheidend an der Organisation und Durchführung der französischen Revolution beteiligt waren.
Aus den bisherigen Ausführungen müsse ersichtlich geworden seien, dass die Verschwörungstheorie sich zwangsläufig aus dem bürgerlichen Verständnis von Aufklärung herausbildet. Unsere Verschwörungsideologen haben also durchaus in gewisser Weise recht, wenn sie behaupten, mit ihren paranoiden Wahnvorstellungen „Aufklärung“ zu betreiben – der Verschwörungsglaube, der dem Aufklärungsprozess einem dunklen Schatten gleich folgt, entspringt dem verkürzten bürgerlichen Aufklärungsbegriff, der ja die bürgerliche Gesellschaftsformation in den Rang eines Nautrphänomens erhebt.
Der erste Schritt zur Überwindung des Verschwörungsdenkens besteht folglich darin, unsere Gesellschaftsformation nicht mehr als ein natürliches Phänomen anzusehen. Nur wenn der Kapitalismus nicht mehr als stumme Voraussetzung unserer Existenz und jedweder Denkbewegung fungiert, nur wenn unsere Gesellschaft als historisch, veränderbar und überwindbar aufgefasst wird, kann die Verschwörung als bloßes Oberflächenphänomen einer unser Leben bestimmenden, widersprüchlichen Dynamik der Kapitalakkumulation begriffen werden.
Wie sieht diese angeblich so „natürliche“ Ordnung aus, in der wir zu leben genötigt sind und deren Grundstruktur so gut wie niemals Gegenstand – aber immer Grundvoraussetzung - öffentlicher Diskussion ist?

Vermittlungsebenen Kapitalistischer Herrschaft

Herrschaft und Unterdrückung kommen im Kapitalismus vermittelt, also indirekt zum Ausdruck. Sie sind nicht unmittelbar Erfahrbar. Die erste Vermittlungsebene bildet natürlich der Markt. Ein jeder von uns muss etwas auf dem Markte feilbieten, um sich selbst reproduzieren zu können. Da die meisten von uns über keine Produktionsmittel verfügen, müssen wir uns selbst – unsere Fähigkeit zu arbeiten – auf dem Arbeitsmarkt anbieten. Dem ersten Augenschein nach ist es aber nicht ersichtlich, wie der vermittels Mehrarbeit dem Lohnabhängigen abgepresste Mehrwert von Kapital realisiert wird. Den meisten Lohnabhängigen ist gar nicht bewusst, dass die von ihnen geleistete Arbeit die Substanz des Kapitals bildet und dass sie an einem Arbeitstag weit mehr Wert erarbeiten, als ihr Lohn wert ist. Der Schein ist ein ganz anderer: der Lohnabhängige arbeitet und erhält hierfür einen Lohn – mehr ist unmittelbar nicht ersichtlich, die Ausbeutung verschwindet hinter dem Schleier eines (Arbeits-)Vertrages unter scheinbar gleichen Vertragsparteien. Ausgeblendet bleibt hierbei die fundamentale klassenmäßige Aufspaltung der kapitalistischen Gesellschaft in die Besitzer von Produktionsmitteln (von Fabriken und sonstigen Unternehmen), und in Lohnabhängige.
Weitere Vermittlungsebenen bilden natürlich die Politik und das durch sie geformte Rechtssystem. Die Rolle der Politik als des ideellen Gesamtkapitalisten, wie die Funktion des Rechts als eines objektivierten System von Regeln zur Aufrechterhaltung der Klassenherrschaft, verschwinden ebenfalls hinter dem von der bürgerlichen Aufklärung propagierten Prinzips der „Gleichheit vor dem Gesetz“, wie unter einer Unmenge weiterer ideologischer Apologien. Doch es ist gerade diese abstrakte „Gleichehit“ höchst ungleicher Subjekte – vom Tagelöhner bis zum Multinationalen Konzern -, die den rechtlich fundierten Kern kapitalistischer Herrschaft bildet. Der gesamte Rechtsstaat fußt ja au dem Prinzip, alle Personen ohne Ansehen ihrer gesellschaftlichen Stellung gleich zu behandeln. Im gewissen Sinne stimmt das ja auch: der Schutz des Privateigentums gilt gleichermaßen für den Obdachlosen wie für den Milliardär. Diese formelle „Gleichheit der Ungleichen“ bildet somit auch einen Teil des ideologischen Fundaments des Kapitalismus, und sie ist ja auch Auswuchs der dem Bürgerlichen Aufklärungsbegriff innewohnenden Vorstellung von Menschenrechten.
Im Alltag sind diese Vermittlungsebenen von Markt, Politik und Recht als objektive „Spielregeln“ erfahrbar, die für gewöhnlich nicht mehr hinterfragt werden. Diese Spielregeln nehmen einen Charakter von Naturgesetzen, von Sachzwängen – also von Zwängen, die durch Sachen/Dinge ausgeübt werden – an. Uns allen dürfte noch die entsprechende Sachzwang-Argumentation in den Medien während der Durchsetzung der Hartz IV Gesetze bekannt sein. Der Verschwörungsideologe geht nun davon aus, dass die von ihm halluzinierte Verschwörergruppe ihre dunklen Ziele gerade durch die Umgehung und Überschreitung dieser objektive Spielregeln erreicht, während es gerade diese Spielregeln selber sind, die die vermittelte Struktur kapitalistischer Herrschaft und Ausbeutung bilden.
Der Unterschied zwischen der ideologischen Erscheinung einerseits und der Realität unserer Gesellschaft anderseits ist also fundamental. Die Eigenbewegung des gesamten Medienapparat führt zudem in eine Ideologische Richtung, die den wahren Charakter unserer Portionsweise verschleiert. Laut offizieller Ideologie handelt es sich beim Kapitalismus um eine demokratische Gesellschaft, in der alle Bürger frei sind und dieselben Rechte genießen. Viele Menschen spüren aber, dass dies offizielle Bild irgendwie nicht mit der Realität übereinstimmt. Dies gilt insbesondere für die Politik, mit ihren für die Öffentlichkeit bestimmten Ritualen, und den tatsächlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit ablaufenden Entscheidungsprozessen, in denen sich zumeist das Kapitalinteresse durchsetzt, solange dies das Fortbestehen des Gesamtsystems nicht gefährdet – hier, an dieser Funktion des Staates als „ideeller Gesamtkapitalist“, setzen die meisten Verschwörungsphantasien an. Da öffentliche Darstellung und tatsächliche Machtausübung in der bürgerlichen Politik auseinanderfallen, kann hier die Fantasie des Verschwörungsideologen sich voll entfalten. Dieser vermittelter und verschleierter Charakter kapitalistischer Herrschaft stellt somit einen enormen Gegensatz zum Mittelalter dar, wo der Bauer von konkret erfahrbaren und greifbaren Menschen, dem Feudalherr oder Pfaffen, vermittels Feuer und Schwert zur Abgabe des Zehnten oder Fronarbeit genötigt wurde. Im Mittelalter wurde diese Ständegesellschaft ja ganz offen als göttliche Ordnung legitimiert.

Wer „herrscht“ im Kapitalismus?

Der Verschwörungstheoretiker ahnt nun ganz richtig, dass die offizielle Selbstdarstellung kapitalistischer Herrschaft, dass der Augenschein unser demokratischen Gesellschaft, trügt. Er macht hierfür die Umtriebe einer wie auch immer definierten Clique von Verschwörern verantwortlich - und nicht die dargelegte, von Vermittlungebenen charakterisierte Struktur des kapitalistischen System. Wir können auch sagen, der Verschwörungstheoretiker macht einen Schritt in die richtige Richtung, um hiernach wieder zwei Schritte zurück zu tun in ideologische Verblendung.
Wer „herrscht“ aber im Kapitalismus? Die Antwort ist simpel wie auch komplex: das Kapital. Es ist gerade dies abstrakte, nicht handgreiflich fassbare Wesen des Kapitals selber, das dieses Beharren des Verschwörungsideologen auf handgreifliche Sündenböcke befördert. Wir können niemanden das Kapital zeigen, da sich hierbei um einen gesellschaftlichen Prozess, um ein Produktionsverhältnis handelt, das über uns herrscht und dass letztendlich wir selber alltäglich „erarbeiten“.
Wir können nur Momente, Transformationsformen der Kapitalreproduktion sinnlich erfahren: das Geld, die Maschinerie in der Fabrik, den Arbeiter am Fließband oder den Angestellten im Büro. Dies alles sind Momente des beständigen Formwechsels des Kapitals in seinem Reproduktionskreislaufs. Das Kapital ist aber nur aus seinen Akkumulationsprozess heraus zu verstehen. Dies ist die Uferlose, auf permanenten Expansion angelegte Bewegung von Geld, das Vermittels Investitionen in Waren, Arbeitskräfte und Produktionsmittel zu mehr Geld werden soll. Geld- Ware- Mehr Geld (G-W-G´): Ein in solch permanent anschwellenden Kreislauf befindliches Geld ist Kapital.
Zentrale Bedeutung kommt hier der menschlichen Arbeit zu. Denn sie ist die einzige Ware, die mehr Wert schafft, als sie selber wert ist. Wir „erarbeiten“ uns unsere eigene Unterdrückung. Je mehr wir als Lohnarbeiter leisten, desto größer die Profite der Unternehmen, desto schneller schreitet die längst alle Gesellschaftsbereiche und Weltregionen erfassende (und verheerende Kapitalexpansion) voran. Gesamtgesellschaftlich betrachtet läuft die Kapitalakkumulation als ein eigenständiger, von der eigenen Dynamik der höhstmöglichen Profitmaximierung getriebener Prozess ab, der über den Menschen abläuft, von niemandem gesteuert wird - dadurch, dass alle Menschen Geld verdienen müssen, um leben zu können. Den Prozess als solchen hat niemand auf der Rechnung, er wird von niemandem gesteuert. Diese Tatsache eine blinden, Gesamtgesellschaftlichen Prozesses, den die gesellschaftlichen Subjekte erzeugen und dem sie zugleich unterliegen, relativiert ja die Erkentniss der Aufklärung, wonach „Menschen ihre Geschichte“ machen – sie „machen“ machen sie nicht Bewust, sondern sind diesem durch ihr Handeln erzeugten Prozess ohnmächtig ausgeliefert. Alle, selbst die mächtigsten Akteure der Gesellschaft sind dem eisernen Gesetz der Kapitalreproduktion unterworfen – selbst mächtige Kapitalisten fungieren ja nur als Charaktermasken (Marx) ihrer ökonomischen Funktion.
Niemand steht da im Irgendwo versteckt „hinter den Kulissen“, um die Fäden des gesamten Systems zu ziehen. Nicht irgendwelche Bösewichte im Hintergrund, sondern das kapitalistische System als solches, konkret der besagte Prozess der Kapitalakkumulation, ist das Problem. Selbst die kapitalistischen Eliten in Politik und Wirtschaft bemühen sich mehr schlecht kein Recht, diesen Krisengeschüttelten Prozess der Kapitalakkumulation aufrecht zu erhalten, zu optimieren und zu lenken. Der amerikanische Ökonom und Marxist Paul Sweezy prägte für dieses Verhältnis von kapitalistischer Elite und kapitalistischer Krisendynamik die Metapher des Mannes, der einen Tiger zu reiten versucht. Selbst der größte Kapitalist ist nur ein getriebener des Kapitals, der „bei Strafe seines eigenen Untergangs“ (Marx) den Spielregeln der Profitmaximierung gehorchen muss.
Somit ist klar, es die objektive Struktur des Kapitalismus selbst ist, die dem um Erkenntnis bemühten Betrachter enorme Hindernisse in den Weg legt. Ausbeutung und Herrschaft funktionieren im Kapitalismus vermittelt, indirekt. Diese Vermittlungsebenen bestehen aus dem Markt, der Politik und dem Rechtssystem. Es ist nun auch klar, dass wir eher fragen müssen „Was“ - und nicht „Wer“ - im Kapitalismus herrscht: Es ist dies der uferlose, widersprüchliche und potentiell Selbstzerstörerische Prozess der ewigen Kapitalakkumulation, also ein gesellschaftliches Verhältnis, ein Produktionverhältnis, das – obwohl durch die Handlungen von Menschen konstituiert – ein „Eigenleben“, eine eigene Dynamik entwickelt. Marx wählte für die Charakterisierung dieses Prozesses der Kapitalakkumulation die widersprüchliche Begrifflichkeit des „Automatischen Subjekts“. Das Kapital ist seinem Wesen nach ein abstrakter Prozess, der direkt nicht sinnlich erfahrbar ist.
Der Verschwörungstheoretiker nimmt nun durchaus tatsächlich ablaufende Verschwörungen innerhalb der herrschenden Klasse aus Politik und Wirtschaft wahr, die im Rahmen der dargelegten Bemühungen zur Optimierung, Aufrechterhaltung oder Lenkung des - blind ablaufenden und von der eigenengesetzlichen Dynamik der höchstmöglichen Verwertung getriebenen - Prozesses der Kapitalakkumulation umgesetzt werden. Selbstverständlich nahmen die Operationen, die zur Durchsetzung der Hartz IV Gesetze von der herrschenden Klasse eingeleitet wurden, den Charakter einer Verschwörung an. Ähnliches ließe sich über die Vorbereitungen der Kriege gegen Jugoslawien oder den Irak sagen. Der Verschwörungstheoretiker sieht nur hinter diesen Rahmen der bekannten Institutionen stattfindenden Verschwörungen eine weitere, diesmal halluzinierte Verschwörung. Ihm ist es nicht möglich, Hartz IV oder den Irakkrieg als Aktionen zu begreifen, die sich aus der Eigengesetzlichkeit eines abstrakten Produktionsverhältnisses – also der Kapitalakkumulation – ergeben. Niedrigere Lohnkosten, zu deren Durchsetzung Hartz IV beitrug, lassen selbstverständlich die Profite des Kapitals kurzfristig explodieren (und langfristig die Kaufkraft sinken). Kriege, wie der in Irak, werden zumeist zur Sicherung von Rohstoffen, die der Kapitalakkumulation unabdingbar sind, geführt.
Stattdessen braucht es für den Verschwörungstheoretiker immer einer Gruppe von konkreten, handgreiflich fassbaren Menschen oder Institutionen, die irgendwo im Hintergrund die Fäden ziehend an allen möglichen negativen Auswirkungen kapitalistischer Vergesellschaftung schuldig sein sollen. Ob es nun Ackermann oder Bertelsmann sind – sie werden vom Verschwörungstheoretiker nicht aufgrund ihrer Funktion innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft kritisiert (auch von anderen Personen ausgeübt werden könnte), sondern moralisch: als bösartige Agenten einer hinter den Kulissen ablaufenden, bloßen Augenschein nicht zugänglichenVerschwörung.
Das heißt natürlich nicht, dass man die Verantwortlichen für diese Politik nicht politisch zu bekämpfen hat. Es sollte aber nicht die Illusion aufkommen, dass mit dem Verschwinden der betreffenden Personen oder Institutionen – ob Ackermann oder Bertelsmannstiftung – die Ursachen der beklagten Fehlentwicklungen (Finanzmarktgetriebener Kapitalismus, Demokratie- und Sozialabbau, Militarisierung etc.) beseitigt wären. Nur die Überwindung der dargelegten gesellschaftlichen Verhältnisse, der Produktions- und insbesondere Eigentumsverhältnisse, kann tatsächlich die auch vom Verschwörungstheoretiker beklagten Widersprüche kapitalistischer Vergesellschaftung in Geschichte überführen. Tatsächliche Befreiung ist nur jenseits unserer kapitalistischen Gesellschaft möglich, die nur als ein Wurmfortsatz uferloser Kapitalakkumulation ihre Daseinsberechtigung erhält.
Das kapitalistische System selbst wird von dem Verschwörungsideologen gar nicht als solches reflektiert. Es hat den Anschein, als sei es in seinem Bewusstsein längst zu einer ewigen Naturvorraussetzung menschlicher Existenz sedimentiert – ganz im Sinne des verkürzten bürgerlichen Aufklärungsbegriffs. Eine uralte Oberflächenerscheinung der Machtausübung, die Verschwörung, wird zum geheimen Urgrund jeglicher negativen Auswirkungen des Kapitalismus erklärt. Der Verschörungsideologe sieht folglich in dem Windmühlenkampf gegen die „Politik hinter der Politik“ seine primäre Aufgabe. Die Widersprüche des abstrakten, sinnlich nicht direkt wahrnehmbaren Prozesses der Kapitalreproduktion werden personifiziert gedacht als die Machenschaften von Verschwörern. Die Auswirkungen abstrakter gesellschaftlicher Prozesse werden so in der Verschwörungstheorie zu der Eigenschaft von Personen oder Dingen.

Verschwörungsideologie und Krise

Es stellt sich nun die Frage, weshalb dieses ideologisch verzerrte Bild des Kapitalismus - vor allem in Krisenzeiten – so dermaßen populär ist. Derzeit ist es ja die längst zu einer penetranten Religionsgemeinschaft mutierte „Bewegung 9/11“, der die bereits hinlänglich bekannte und aufgedeckte Verschwörung im Vorfeld des Terrorangriffs auf das World Trade Center als Erklärung nicht ausreicht. Hinzu gesellen sich neuerdings debile Verschwörungen, die die Weltwirtschaftskrise als Folge einer Verschwörung des „angelsächsischen Finanzkapitals“ halluzinieren. Wie könnte es auch anders sein, wenn die gesamte Welt nur als Folge einer Weltverschwörung wahrgenommen wird? Dann müssten ja auch die Krisen – da die krisenhafte, aus der Kapitalakkumulation resultierende Eigendynamik des kapitalistischen Systems nicht wahrgenommen wird – auf das wirken einer Mächtigem Verschwörerclique zurückzuführen sein.

In Krisenzeiten scheint es dem Verschwörungsideologen folglich so, als würden die Verschwörer ihre Aktivitäten ausweiten und kurz vor dem Erreichen ihrer finsteren Ziele (zumeist der Weltherrschaft) stehen. Der Verschwörungsideologe intensiviert dementsprechend seinen Windmühlenkampf gegen diese Verschwörer, und seine Aktivitäten beginnen pathologisch-paranoide Züge anzunehmen. Überall werden Agenten der Verschwörung vermutet, die den als Aufklärer sich imaginierenden Verschwörungsideologen auflauern. Alle Zweifler und Skeptiker, die den Verschwörungsideologen auf den offensichtlichen Irrsinn seiner Wahnvorstellungen aufmerksam machen (wie die simple Tatsache, dass eine hinter dem Anschlag auf das World Trade Center steckende Regierungsverschwörung Tausende von Menschen hätte einbeziehen müssen), werden oftmals als Agenten der Weltverschwörung halluziniert.
Solche verschwörungideologischen Welterklärungen können sich sehr schnell verbreiten. Gerade in Krisenzeiten, wenn viele vorher apolitische und theoretisch unerfahrene Menschen nach den Ursachen der auf ihr persönliches Leben sich auswirkenden Verwerfungen fragen, üben solche primitiven Erklärungsmuster, die die Krisentendenzen des Kapitalismus auf das böse Wirken einer Gruppe böser Menschen reduzieren, eine ungeheure Faszination aus. Dies erspart dem Verschwörungsideologen das Denken, die mühsame Erkenntnis der gesellschaftlichen Struktur, der inneren Antriebsdynamik und der Vermittlungsebenen kapitalistischer Herrschaft.
Die „Neue Weltordnung“ ist für den Verschwörungstheoretiker also das Resultat des Strippenziehens einer Gruppe von einflussreichen Verschwörern; anstatt als Ergebnis der prozessualen Entwicklung der dem Kapitalismus innewohnenden Widersprüche begriffen zu werden. Die meisten politischen Verschwörungen, die es zweifellos gibt, sind nur aus dieser destruktiven Dynamik, die dem kapitalistischen System innewohnt, zu erklären. Letztendlich ist es der Drang des Kapitals nach permanenter Expansion und die dafür notwendige Jagd nach Rohstoffen, was die imperialen Mächte zu ihren blutigen Abenteuern treibt. Die Verschwörungen, von Regierungsmitgliedern und Industriellen, die teilweise solchen Kriegen vorhergehen, sind nur Folge - und nicht Ursache! - dieses besagten gesellschaftlichen Verhältnisses. Es ist das System, das selbst die mächtigsten Akteure – selbst einen George Bush, Rupert Murdoch oder George Soros – zu getriebenen macht. „Bei Strafe ihres eigenen ökonomischen Untergangs“ haben sie gemäß der gleichen Systemlogik der Kapitalverwertung zu agieren. Solange es den Kapitalismus gibt, wird das Verschwörungen geben, werden Verschwörungsideologen daran irre werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass den Verschwörungsideologen das Bewusstsein vom historischen Charakters unserer Gesellschaftsformationen fehlt. Der Kapitalismus ist eine blinde Voraussetzung ihrer Ideologie und ist folglich auch nicht Gegenstand ihrer Betrachtungen. Die aus dem widersprüchlichen Charakter der Kapitalakkumulation resultierenden gesellschaftlichen Verwerfungen werden hingegen – in der Tradition des verkürzten bürgerlichen Aufklärungsbegriffs - auf den bösen Willen einer Gruppe böser Menschen, also einer Verschwörerclique, zurückgeführt.
Nun dürfte auch die eingangs vorgenommene und zur Diskussion gestellte begriffliche Scheidung zwischen Verschwörungstheoretikern und Verschwörungsideologen klar werden: Auf den ersten Blick scheint es tatsächlich so, als ob ein Verschwörungsideologe „Aufklärung“ betreiben würde, da es ja tatsächlich auch in unserer Zeit an Verschwörungen nicht mangelt. Und schließlich können Verschwörungsideologen echte Verschwörungen aufdecken. Auch ein ideologisch verblendetes Huhn findet mal ein Körnchen Wahrheit. Dennoch – bei aller oberflächlichen Ähnlichkeit - hat das Treiben der Verschwörungsideologen nichts mit echter, der Erkenntnis unserer Gesellschaftstruktur dienender Aufklärung zu tun. Einem der Erkenntnis der gesellschaftlichen Zusammenhänge verpflichteten Verschwörungstheoretiker dient eine aufgedeckte Verschwörung vor allem zur Illustierung der dem Kapitalismus innewohnenden Antagonismen, die aus seiner Struktur als Klassengesellschaft - und der widerspruchsvollen Dynamik der Kapitalakkumulation - resultieren. Eine aufgedeckte Verschwörung dient dem Verschwörungstheoretiker folglich dazu, anhand dieses konkreten Beispiels die Notwendigkeit der Überwindung unserer kapitalistischen Produktionsweise aufzuzeigen, die eben mit gesetzesmäßiger Zwangsläufigkeit Krisen, Kriege und auch Verschwörungen hervorbringt.
Der Verschwörungsideologe sieht hingegen in jeder aufgedeckten Verschwörung nur einen weiteren Ansporn, nach dem nächsten Komplott zu suchen. Mit jeder aufgedeckten Intrige verfestigt sich bei ihm seine Wahnvorstellung, der zufolge es da eine oberste aller Verschwörung wird, welche hinter den Kulissen alle Strippen zieht und die Geschicke der Welt lenkt. Für ihn bleibt die Welt eine einzige Weltverschwörung. Dieses Denken ist höchst gefährlich. Die Erlösung aus diesem paranoiden Wahnsystem scheint dem Verschwörungideologen nur in der Auslöschung der Gruppe möglich, die er der Verschwörung bezichtigt.
Es muss hier aber auch in aller Deutlichkeit abschließend festgehalten werden, dass man den Verschwörungsglauben nicht automatisch als Faschismus bezeichnen darf. Viele Verschwörungsideologen haben eher ein progressives, fortschrittliches Selbstbild. Sie sehen sich als Kämpfer gegen eine verschwörerischen Machtelite, die mittels einer verbrecherischen Politik die Welt zu beherrschen trachtet. Dennoch muss auf die strukturellen Übereinstimmungen des Verschwörungsglaubens mit der faschistischen Ideologie hingewiesen werden: Es waren insbesondere die Nazis, die konsequent die kapitalistische Welt als ein einzige Weltverschwörung wahrnahmen. All die ungeheuren Widersprüche kapitalistischer Vergesellschaftung, ihre Krisenanfälligkeit und die ungeheure Verelendung breitester Bevölkerungsschichten während der letzten Weltwirtschaftskrise wurden auf das bösartige und gesellschaftersetzende Wirken einer verschworenen Gruppe von Menschen – in diesem Fall der Juden – zurückgeführt. Das jeglicher menschlichen Eigenschaften entkleidete antisemitische Wahnbild „des Juden“ fungierte hier als die Personifizierung aller negativen Auswirkungen kapitalistischer Vergesellschaftung.
Dies ist ja das genaue Gegenteil linker, antikapitalistischer Theoriebildung und Praxis, die ja gerade auf die Erkenntnis und Überwindung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse abzielt - und sich nicht in der fiebrig-wahnhaften Suche nach irgendwelchen Sündenböcken verliert.

Quelle:

mercoledì 7 ottobre 2009

giovedì 17 settembre 2009

Sündenbock Manager

VON JULIAN ZÖSCHG | Allerorts wird es angestimmt, das Klagelied über gierige Manger und Broker, über eine Gruppe von Menschen, welche sich parasitär in unsere Gesellschaft eingenistet haben und sie durch Habsucht fast erdrückt hätten.
Da ist es wieder, ein personalisiertes Schreckgespenst, welches sich das ressentimentgeladene bürgerliche Subjekt herbeihalluzinieren muss, damit die Widersprüche seiner Ordnung nicht die selbige zerreisen.
Nein, sie sind mir nicht sympathisch, diese neoliberalen „Eliten“ und ich werde mich keineswegs zu ihrem Advokaten erheben, doch sie trifft nur sehr bedingt die Schuld für das, was unter dem Titel „Weltwirtschaftskrise“ firmiert und eigentlich eine ökonomische, soziale und ökologische Polykrise ist. Doch wer den Fehler in der natürlichen Gier, charakterlichen Schwäche oder im hintertückischen Versuch bewusster Ausbeutung verortet, der muss sich die unbequeme Systemfrage nicht stellen. An was es schließlich fehlte, war Regulierung für unsoziale, gewissenlose Finanzjongleure, Kapitalismus als solcher funktioniere ja krisenfrei.
Es wird nun ständig heraufbeschworen, was dieses Fehlverhalten der Managern mit einer Gesellschaft angestellt habe, welche Ungerechtigkeit dadurch entstanden sei, welche Schieflage nun den integren Frieden gefährde, als ob niemals ein Herrschaftsverhältnis in unserer Sozietät existiert hätte.
Über die strukturellen Ursachen, welche derartige Charaktermasken erst hervorbringen, wird geschwiegen. Dass der Mensch nicht gierig geboren wird, sondern einer strukturellen Formung und Selektion unterliegt, wird meist nicht gesehen.

Die Nichtschuld der Manager an der Krise
Die Manager - Kinder der neoliberalen Ideologie – haben den Wagen an die Wand gefahren, so die weitverbreitete Meinung. Dabei wird impliziert, dass es sich beim Neoliberalismus um ein Modell des Machtausbaus und der Bereicherung gewisser Kreise handle, um eine politische Entscheidung moralisch Armer, als ob einfach zwei Optionen zu Wahl gestanden hätten: Weiterhin fordistisch/sozialwirtschaftlich zu Produzieren, oder umsteigen auf einen neoliberalen „Finanzmarktkapitalismus“.
Der Neoliberalismus war wahrlich gewollt, jedoch nicht um den Kapitalismus zu "barbarisieren", sondern um die Kapitalakkumulation weiterhin zu gewährleisten, sprich das System möglichst bruchfrei fortzuführen. Die Art des Wirtschaftens zwischen 1950 und 1970 hätte nicht weiterbestehen können und ist auch nicht in selber Art restituierbar. Die Krise von heute ist die Folge einer tiefgreifenden, strukturellen Krise des Fordismus der 1970er.
Diese vielgelobte Nachkriegsperiode wirtschaftlicher Prosperität war Resultat diverser Momente. Vor allem baute sie auf Kapitalexpansion (sprich Wachstum) nach innen hin auf. Es wurden noch nicht erschlossene Teile gesellschaftlichen Lebens für die Kapitalakkumulation geöffnet. Das Private wurde gänzlich der Warenform unterworfen: Nahrungsmittel wurden von nun an nur noch in Supermärkten gekauft, durch eine unglaubliche Produktivkraftsteigerung wurde Technik erschwinglich, Haushalte wurden so elektronisch aufgerüstet, die Unterhaltungsindustrie entstand und der Autoboom nahm Gestalt an. Um 1970 war diese Urbarmachung abgeschlossen, die Märkte waren gesättigt, zahlungsfähige Nachfrage erschöpft, die Kapitalexpansion nach innen konnte nicht fortgeführt werden. Das angehäufte Kapital fand keine Investitionsmöglichkeiten mehr, um eine Entwertung des Wertes zu verhindern, wurden die bis dato stark protegierten, nationalen Märkte geöffnet, um dort überschüssige Kapitalien gewinnbringend anlegen zu können. Zudem wurde aus diesem Grund vermehrt in die Finanzmärkte investiert. Der Neoliberalismus hat diese Möglichkeiten eröffnet und somit das drohende Krisenmoment der 1970er „überwunden“, um es lediglich zu verzögern. Die Krise kam so in Form einer „Finanzkrise“ einige Jahrzehnte später zurück und entfaltete dabei eine potenzierte Destruktivkraft. Es handelt sich bei der aktuellen Situation folglich um eine strukturelle Problematik, nicht um das Fehlverhalten einer Berufsgruppe.

Ressentiment als Aufhebung der immanenten Widersprüchlichkeit
Dennoch imaginiert das bürgerliche Subjekt Schuldige, Personen welche die alleinige Verantwortung für all dies tragen. Da es seiner Sozialisation und der Verfasstheit seiner Gesellschaft und den darin ständig aufs neue reproduzierten Sachzwängen durch sein alltägliches Bewusstsein nicht entfliehen kann, verfangen ist im Fetisch der Warenform und des Geldes, des Unendlichwachstums und der Lohnarbeit, vermag es die Widersprüchlichkeit, welche diese Formen hervorbringen und die Krisen, welche sie produzieren, nicht zu verstehen.
Darin offenbart sich der Grund für die Personalisierung des Unheils, für die Heraufbeschwörung der Ackermanns. Es scheint dem postmodernen Menschen ein Bedürfnis, Erklärung zu finden, er durchschaut dabei aber nicht die systemimmanente Logik. So projiziert er all das Destruktive, welches der Dialektik kapitalistischer Vergesellschaftung entspringt, auf den Sündenbock.
Sich nicht mit den strukturellen Bedingungen auseinanderzusetzen, heißt sie nicht hinterfragen zu müssen. Die gewohnte Ordnung bleibt intakt durch die Stigmatisierung eines gesellschaftlichen Teils, eines „Bauernopfers“, welchem vorgeworfen wird, die Sozietät fast geopfert zu haben. Die Reform genügt so zur Korrektur, die Struktur bleibt „intakt“.

Quelle: http://julianzoeschg.twoday.net/